Gib niemals auf
Frieda ist nach ihrem Abi auf die Philippinen gereist. Sie arbeitet ein Jahr lang als Freiwillige an einer Schule, die von christlichen Ordensschwestern betrieben wird. Die Kinder dort sind fröhlich, sie lernen neugierig, und manchmal necken sie Frieda. Es ist fast wie in einer Grundschule bei uns.
Doch die Kinder dort sind bettelarm. Die Schule genauso. Frieda sieht es Tag für Tag. Alles ist teuer: die Schulsachen, die Kleidung, die Medizin.
Plötzlich hat der kleine Noah schlimmes Bauchweh. Die Ärztin stellt fest: Es ist eine Blinddarmentzündung. Sie kann da nichts machen. Noah müsste ins Krankenhaus, um operiert zu werden. Doch Noahs Familie hat überhaupt kein Geld.
So eine Blinddarmsache kann schnell lebensgefährlich werden. Wenn der Blinddarm platzt, ist es zu spät.
Bei uns in Deutschland werden pro Jahr etwa 140.000 Blinddarmoperationen durchgeführt. Die Chirurgin gelangt durch kleine Schnitte in den Bauchraum und entfernt den entzündeten Wurmfortsatz. Die Kosten der OP betragen bei uns etwa 2.600 EUR. Es ist Routine. – Bei uns. Aber dort?
Oh Gott. Was wird aus Noah? Diese Frage quält Frieda die ganze Nacht.
Am nächsten Morgen ist Noahs Bett leer. – Als Frieda fragt, sagt die Schwester: „Keine Sorge. Noah ist operiert. Es geht ihm gut. Wir haben gemeinsam beschlossen, zwei Wochen lang zu fasten und mit dem gesparten Geld die OP zu bezahlen.“
Frieda hatte Noah innerlich schon aufgegeben. Keine Chance, dachte sie. Doch dort in dieser ärmlichen Schule auf den Philippinen versteht sie: Gib niemals auf! Denn wenn Menschen aus Liebe und Glauben handeln, können Wunder geschehen.
Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg