Heiland
In meiner Jugend, als der 17. Juni noch ein gesetzlicher Feiertag im Westen Deutschlands war, hat kaum jemand wirklich geglaubt, dass die Bürger der DDR einmal frei über ihr eigenes Schicksal entscheiden können und dass in Marienborn keine Grenze mehr sein wird! Die äußeren Spuren der Teilung sind in unserem Land fast verheilt – aber die inneren Spuren der erzwungenen Trennung werden immer wieder sichtbar. Wir brauchen jemand, der diese Kraft hat, Menschen zu heilen und unsere zerrissene Welt wieder heil zu machen. Der Dinge wieder zusammenfügt, die auseinandergefallen sind; Der aus Scherben wieder ein Ganzes macht - wie bei Kintsugi: Die Brüche bleiben erkennbar, aber an den gebrochenen Stellen wird der Zusammenhalt der Scherben nicht nur oberflächlich gekittet und übermalt, sondern sehr aufwändig mit Gold verstärkt. Die Brüche müssen mit Geduld und Geschick bearbeitet werden. Dann kann man das Gefäß wieder verwenden und es wird dadurch sogar veredelt. Jesus Christus war ein Meister solcher Heilungen. Wir können von ihm lernen.
Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof aus Halle