Ich bin doch kein Rhinoceros
Vor ein paar Jahren war ich in Namibia. Ein tolles Land. Die Weite, die Landschaft. Die Tiere.
Was für eine fantastische Welt hat Gott da entstehen lassen.
Auf einer Safari stand plötzlich ein Nashorn vor uns, lateinisch Rhinoceros. Es steht auf der roten Liste der bedrohten Arten.
So gewaltig. Was für eine Körpermasse. Wir hielten respektvoll Abstand. Vorsichtig fuhr der Guide den Jeep etwas näher heran. Denn Nashörner können plötzlich losrennen. Und dann ist so ein Jeep auch kein Schutz.
Jetzt bin ich wieder einem Nashorn begegnet. Mitten in Magdeburg. Nicht im Zoo, sondern im Kloster Unser lieben Frauen, in einer Ausstellung. Da steht ein aufgeblasenes Nashorn aus weißem Stoff im Schiff der ehemaligen Klosterkirche. Neun Meter hoch, sieben Meter breit, sechzehn Meter lang. Es ist imposant. Kein drolliges Tierchen; allein seine Größe ist respekteinflößend.
Geschaffen vom deutsch-israelischen Künstler Itamar Gov.
Im Hebräischen gibt es einen Ausdruck, den wir übersetzen mit: sich rhinocerisieren.
Damit ist gemeint, dass Menschen sich aus irgendwelchen Gründen gereizt fühlen und sich wie ein Nashorn mit Wumms in Bewegung setzen — ohne weiter darüber nachzudenken, wohin sie da laufen.
Menschen rhinoceriseren sich in unserem Land. Das macht mir Angst. Und das ist tatsächlich gefährlich. Da wird leider von manchen Seiten aus kräftig heiße Luft hineingepumpt: gegen Ausländer, gegen Windräder, gegen Vielfalt...
Aufgeblasene Nashörner kann man stoppen. Wenn wir nicht alle mitpusten, sondern den Argumenten miteinander die Luft ablassen. Damit die Welt fantastisch und schön sein kann für alle.
Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg