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Iridophobie

An unserem Balkon hängt eine Regenbogenfahne.

Und diese Fahne erzählt mehrere Geschichten zugleich.

Vor dem ersten Christopher Street Day in Köthen wurde eine Regenbogenfahne, die an unserer Balkonbrüstung hing, heruntergerissen und gestohlen. Wir haben dann eine neue aufgehängt. Diesmal etwas höher.

Seitdem sehe ich immer wieder, was diese Fahne in Menschen auslöst. Manche ärgern sich über sie. Zuletzt habe ich einen älteren Herrn beobachtet, der schimpfend vor unserem Haus stand.

Und gleichzeitig hat genau diese Fahne schon etwas sehr Gutes getan. Mehrere Menschen sind zu mir oder zur Migrationsberatung im selben Haus gekommen, gerade weil sie diese Fahne gesehen haben. Für sie war damit sofort klar: Auch wir sind hier willkommen. Das beschäftigt mich.

Denn ich frage mich: Wie kann etwas so Schönes wie ein Regenbogen so viel Ablehnung auslösen? So viel Wut? So viel Abwehr?

Der Regenbogen ist ja nicht zuerst ein Kampfsymbol. Er ist ein Hoffnungszeichen. In der Bibel ist er das Zeichen von Gottes Bund mit den Menschen. Ein Zeichen dafür, dass Zerstörung nicht das letzte Wort behalten soll.

Vielleicht liegt ja genau darin die Anstößigkeit. Dass ein Stück Stoff plötzlich mehr sagt als nur Farbe. Dass es sagt: Du sollst hier nicht in Angst leben. Du bist gemeint. Du bist nicht zu viel. Du darfst da sein.

Mich erinnert diese Fahne darum an etwas sehr Einfaches und sehr Christliches: Dass Gott seine Zeichen nicht nur dahin setzt, wo alle klatschen. Sondern manchmal genau dahin, wo Widerspruch laut wird.

Und vielleicht ist die eigentliche Frage auch nicht, warum Menschen sich über einen Regenbogen aufregen.

Sondern warum es uns so schwerfällt, anderen einen Platz unter ihm zu gönnen.
 

Mit bunten Grüßen, Martin Olejnicki, evangelisch in Köthen.

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