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Johannistag

Woher sie bloß kommt, diese unbändige Lust am Zündeln. Manchmal denke ich, in jedem schlummert ein kleiner Pyromane. Martinsfeuer und dann Angrillen am liebsten gleich nach dem Jahreswechsel, Ostern, Walpurgisnacht, Pfingsten. Und nun, am 21. Juni: Johannisfeuer. In Gegenden, die die alten Traditionen noch pflegen, wird in vielen dieser Feuer auch immer irgendetwas oder irgendwer verbrannt, als Strohpuppe versteht sich, nur symbolisch.

Auch die Feuer, die zum Johannistag angezündet werden, dienten vor Zeiten einmal dazu, Dämonen abzuwehren, die Menschen krank machen oder dem Vieh schaden. Manchenorts veranstaltete man richtige Hagelprozessionen oder Schutzrituale gegen Gewitter. 

Vieles erscheint heute als Hokuspokus, aber der Zweck leuchtet ein: Das Wetter im Juni entscheidet maßgeblich darüber, wie die Getreideernte ausfallen wird. Wärme und Feuchtigkeit sind gut für das Korn; in diesen Wochen lagert es Nährstoffe ein. Und Hagel bedroht die Ernte. Für vorherige Generationen war das nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern es ging um Leben und Tod. Eine schlechte Ernte bedeutete Hunger und große Not. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gab es in Deutschland so was wie Massenunterernährung. 

In manchem Kirchenlied klingt die alte Zeit noch nach, wenn es da heißt: »Wend ab in allen Gnaden, so Feur‘- als Wasserschaden, treib Sturm und Hagel ab, bewahr des Landes Früchte und mache nicht zunichte, was deine milde Hand uns gab.« 
Beim Johannisfeuer werde ich in diesem Jahr daran danken, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass der Tisch gedeckt ist. Ich danke all den Bauern in Nah und Fern für ihre Arbeit. Und ich danke Gott. 

Conrad Krannich aus Halle 


 

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