Kuddelmuddel
Wenn man aus dem Urlaub kommt, bringt man ein Souvenir mit. Hab ich gemacht, und hier ist es: nein, kein Kühlschrankmagnet oder Sand im Glas, sondern ich habe ein Wort aus dem Norden mitgebracht: „Kuddelmuddel“ – frisch gekürt zum plattdeutschen Wort des Jahres. Die Jury lobt es als ausdrucksstarkes, humorvolles Wort für Situationen, in denen alles ein wenig durcheinandergerät. Passt perfekt. Zu mir sowieso, und auch zu unserer Zeit.
Wer das Wort zerlegt, landet in einer alten norddeutschen Waschküche. „Kuddeln“ hieß früher, Wäsche eilig durchzuwaschen. Und „Muddel“ kommt vom „Modder“, dem Schlamm. Kuddelmuddel bedeutet: dreckige Wäsche im Schlamm.
Und genau so fühlt es sich gerade an. Was und wer alles so durch den Dreck gezogen wird! Es kuddelmuddelt gewaltig in unserem Land. Ein hartnäckiges Überforderungs-Rauschen. Das Gegenteil von Klarheit.
Interessanterweise beginnt die Bibel genau an diesem Punkt. In der Schöpfungsgeschichte heißt es: „Die Erde war wüst und leer.“ Im Urtext steht da Tohu wabohu – plattdeutsch: Kuddelmuddel.
Was kam danach? Da lesen wir nicht von einem resignierenden Gott, der darüber die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Stattdessen setzt die Geschichte einen Kontrapunkt: Ein erstes Licht wird angezündet, das Chaos sortiert: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ (1.Mose 1,3)
Mein Wunsch für diesen Tag, auch für Sie und Ihr Kuddelmuddel.
Ihre Juliane Baumann, evangelische Rundfunkbeauftragte