Manasiks Träume
16 Jahre ist sie alt. Sie sagt: „Ich habe so viele Pläne für mein Leben. Ich gehöre zu den fünf Besten meiner Klasse. Ich habe drei Auszeichnungen bekommen: für besondere Höflichkeit, für mein Englisch, für besonderen Gemeinschaftssinn. Ich liebe es zu lernen. Soll ich euch meine Pläne erzählen? Also ich würde gern Medizin studieren. Ich träume davon, Fußball spielen zu können, als Stürmerin. Ich liebe es, wenn ich angefeuert werde. Ich liebe Fußball, wir haben das oft auf der Straße gespielt. Ich träume davon, einmal auf einem Pferderücken zu sitzen.“
Das sind Manasiks Träume. Doch ihre Realität sieht anders aus:
Sie hat erlebt, wie Soldaten das Hoftor der Schule plattwalzten, wie sie in die Klassenräume stürmten. Wie sie erst in die Luft schossen und dann auf die Kinder, die nicht aufhören konnten zu schreien. Sie hat zugesehen, was sie mit den Frauen getan haben und wie sie ein paar Stunden später auf dem Schulhof vergraben wurden. Sie war dabei, als ihr Vater und ihr Bruder wie eine Ziege meckern mussten und dann getötet wurden.
Journalisten sagen, dass andere Staaten das alles wissen, aber trotzdem nur ihre eigenen Interessen im Sudan verfolgen. Ägypten will das Wasser, Libyen Einfluss, die Ukraine mit Drohnen-Knowhow die Kasse auffüllen, Russland handelt mit Söldnern; die EU liefert Geld, damit Flüchtlinge aufgehalten werden; deutsche Firmen investieren.
Nur für das Schicksal von Manasik interessiert sich niemand.
Solange Geschäfte gemacht und politische Interessen umgesetzt werden, müssen Menschen wie Manasik unermessliches Leid ertragen; alle Zukunftspläne zerplatzen und die Flüchtlingsströme werden nicht abreißen.
Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg