Mehr Kekse!
„Ein Fremder ist ein Freund, mit dem ich noch keinen Keks geteilt habe.“
Dieser theologisch schwergewichtige Satz stammt von einer mir sehr wichtigen Person meiner Kindheit. Genau, dem Krümelmonster. Kann man nachlesen im kleinen Reclamheft „Das Krümelmonster. Ein Ratgeber für Genießer“.
Also eines steht fest: Das Krümelmonster hat recht.
Ja, es löst seine Konflikte in der Regel durch übermäßigen Keks-Konsum. Aber dahinter steckt eine geniale Strategie gegen das gesellschaftliche Frösteln.
Man stelle es sich vor: In einer Debatte im Landtag. Oder in der überfüllten Regionalbahn. Die Luft ist dick vor Misstrauen oder politischen Unterschieden. Und dann bricht einer ein Stück Gebäck ab und reicht es rüber. In dem Moment passiert etwas. Denn Teilen verwandelt die Distanz in Beziehung. Man kann jemanden, der mit einem krümelt, einfach viel schwerer anfeinden.
Die Bibel empfiehlt genau das, nur ohne Erwähnung von Keksen. Im Hebräerbrief steht: „Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht.“ (Hebräer 13,16). Im Urtext steht an dieser Stelle das Wort Koinonia – und das bedeutet: „Gemeinschaft stiften“.
Wir debattieren in diesen Tagen viel über Abgrenzung und Identität. Aber gesellschaftliche Veränderung beginnt selten mit großen politischen Reden. Sie beginnt klein, auf Augenhöhe. Ich kann heute den ersten Schritt tun – auch wenn’s krümelt.
Ihre Juliane Baumann, evangelische Rundfunkbeauftragte