Mittagskind
In der Kita meines Kindes gibt es ein Wort, das einen ganz besonderen Klang hat: Mittagskind. Jede und jeder möchte es mal sein. Und manchmal wird schon morgens beim Bringen ganz stolz erzählt: Ich darf heute Mittagskind sein!
Ich mag dieses Wort sehr. Vielleicht auch, weil sofort spürbar ist, was darin steckt. Heute bin ich dran. Heute bin ich nicht einfach nur mit dabei. Heute bin ich gemeint. Und das ist ja nicht nur etwas für Kinder.
Ich erinnere mich noch ziemlich genau an meine eigene Kindergartenzeit. Da war das auch schon so. Manche Sachen ändern sich wohl nie. Menschen möchten gesehen werden. Nicht übersehen. Nicht nur einer oder eine unter vielen sein. Sondern wahrgenommen. Angesprochen und Gemeint. Vielleicht freut uns deshalb so ein Wort wie Mittagskind bis heute. Weil es etwas berührt, das tief in uns steckt.
Ich glaube, auch im Glauben geht es genau darum. Dass wir vor Gott nicht in der Menge untergehen. Dass wir nicht nur mitlaufen. Sondern dass Gott jeden und jede beim Namen kennt. Dass keiner bloß irgendwie dabei ist.
Vielleicht ist das die schöne Wahrheit hinter diesem Kita-Wort:
Vor Gott darf jeder mal Mittagskind sein. Nicht, weil man lauter ist als die anderen oder weil man mehr kann. Sondern einfach, weil man da ist. Und weil man gemeint ist.
Mit mittäglichen Grüßen, Martin Olejnicki, evangelisch in Köthen.