Purple Rain
Neulich hatte ich einen besonderen spirituellen Moment. Sie erraten nicht, wo. Doch: in der Sauna. Da gehe ich regelmäßig hin: Zivilisationsgifte und Stress rausschwitzen und dann in der Tiefenentspannung versinken. Ich lieb’s.
Neulich also, in der Sauna: „Hallihallo, für die letzte Runde habe ich euch Rosmarin-Grapefruit-schwarzen-Pfeffer mitgebracht“, beginnt Saunameister Falk sein letztes Werk. „Okay“, denke ich. Aber viel gewagter als die Duftmischung ist die Entspannungsmusik, die Falk dann auflegt: „Purple Rain“ von Prince, in der Liveversion von 1999 aus seinen Paisley Park Studios. Das Stück plätschert lange dahin als sanfter Klangteppich von Gitarre und Keyboards. Und dann setzt der Sänger ein, sinniert einige Zeilen hochphilosophisch vor sich hin, bis die Worte fallen: „There is no other king. Only Jesus Christ“ – „Es gibt keinen anderen König. Nur Jesus Christus.“
„Huch“, denke ich. Nichts gegen Jesus, also ganz im Gegenteil. Aber hier in der Sauna hätte ich nun wirklich nicht mit ihm gerechnet. Was denken wohl all die anderen Schwitzfreunde hier? Ich schaue mich vorsichtig um: die schmerzverzerrten Gesichter der oberen Ränge sind vor allem mit Hitze beschäftigt, einer keucht kurz „Prince“, ein anderer „Hilf, Herr“. Und unten nuschelt einer mit geschlossenen Augen: „Genau, no kings, keine Könige“.
„Amen“, rutscht es mir da heraus, ganz beseelt ob dieser unverhofften Einigkeit in der Sauna. Zwischen den Dampf-Schwaden fällt alles ab, was Rang und Namen verleiht. Und die ganze Lächerlichkeit der selbsternannten Könige dieser Welt steht uns vor Augen.
Conrad Krannich aus Halle