Sendepause
„Ich brauche erst mal eine Sendepause.“ Als sie diesen Satz ausspricht, sackt Stefans Herz ab. Was folgt, sind eisiges Schweigen, ungelesene Nachrichten. Sendepause tut weh. Sie klärt nichts, sie straft durch Abwesenheit.
Dabei kommt der Begriff aus einer ganz harmlosen Ecke. Die Älteren unter uns erinnern sich an die analogen Sendepausen im Fernsehen: als spät abends das Programm abschaltete und das Testbild flimmerte. Das gibt’s heute nicht mehr. Unser Alltag funkt im digitalen Dauerfeuer. Das Smartphone schläft nie, der Kopf ist permanent auf Empfang.
Und genau darin liegt ein Widerspruch: Die erzwungene Funkstille zwischen zwei Menschen kann Schaden anrichten. Aber das ausbleibende Abschalten im eigenen Kopf brennt uns aus. Wenn die Leitung permanent glüht, geht der Sinn für die Zwischentöne verloren.
In den alten Psalmen der Bibel steht hier und da das kleine Wort Sela. Eine Art Regieanweisung mitten im Text. Sela, das bedeutet schlicht: Atmen. Luftholen. Nein, keine verlorene Zeit. Die Sendepause bewirkt, dass nach dem abrupten Stopp wieder klarer hörbar wird, wer und was wirklich zählt.
Für Stefans Partnerin klingt „Sendepause“ wie eine Hoffnung. Sie braucht sie, um den Kopf zu sortieren. Für ihn klingt das wie blanker Hohn. In seinen Ohren sorgt der Stopp für gar nichts – außer für die Angst, weggeschnitten zu werden.
Und ich bitte Gott: Gib uns heute das Gespür dafür, wann eine Pause Raum schafft – und wann es Zeit ist, das Schweigen zu brechen.
Ihre Juliane Baumann, evangelische Rundfunkbeauftragte