Tag der Seefahrer
Wie ich das genieße, mit meiner Gemeinde auf dem Wasser zu sein. Jedes Jahr um diese Zeit segeln wir in vier Booten über die Friesischen Seen in den Niederlanden. Tagsüber segeln, nachts anlegen in einem der vielen niedlichen Häfen.
Nichts lässt mich so runterkommen wie das Segeln. Sobald ich auf dem Boot bin, interessieren mich nur noch Wind und Welle und Kurs, und natürlich auch die Sicherheit meiner Crew.
Obwohl die Boote von heute Hochleistungssportgeräte sind, hat das Segeln etwas Ursprüngliches. Kein Wunder, denn am Ende hängt alles vom Wind ab, dieser Naturgewalt. Du musst damit arbeiten.
Lange bevor sich Menschen in ihre Autos setzten, nutzten sie bereits Wind und Segel, um auf See von A nach B zu kommen. Seit ungefähr 7000 Jahren segeln Menschen. Ist das nicht irre! In diesen vielen Tausend Jahren hat sich nicht nur die Kunst, Boote zu bauen, entwickelt. Auf See gibt es eigene Bräuche und Umgangsformen und Regeln, damit nichts passiert.
So spricht man auf See korrekterweise von Kollisionsverhütungsregeln statt von Vorfahrt. Es geht nicht primär darum, sich sein Recht zu nehmen, sondern darum, eine Kollision zu verhüten. Dazu braucht es klare und konsequent gefahrene Manöver. Jedes Boot muss wissen, ob es den Kurs halten muss oder ausweichpflichtig ist. – Das klingt anders als das, was sich auf unseren Straßen abspielt. Irgendwie rücksichtsvoller, weniger Ellbogen, mehr Achtsamkeit – finden Sie nicht?
Am heutigen Tag des Seefahrers Gottes Segen allen, die auf See sind. Und uns Landratten etwas von dieser Haltung, die mehr darauf achtet, Kollisionen zu vermeiden, als die Vorfahrt zu erzwingen.
Conrad Krannich aus Halle