Vorbild
Den Namen Václav Havel habe ich als Jugendlicher bei Radio Freies Europa Anfang der 1980er Jahre zum ersten Mal gehört. Ich habe sehr genau hingehört, wenn von ihm gesprochen wurde, weil das meist mit Respekt und viel Bewunderung geschah. Besonders überzeugt hat er mich mit seinen eigenen Worten. Zum Beispiel, wenn er davon sprach, dass wir umso tiefer unsere Hoffnung bewahren müssen, je ungünstiger eine Situation für uns ist. Denn die Hoffnung ist der Lebensodem in einer ausweglosen Situation. Wer die Tschechoslowakei oder Rumänien der 1980er Jahre noch kennt, weiß um die tiefe Depression und Lethargie in diesen und den anderen Ländern.
Hoffnung, sagt Havel ist nicht Optimismus, es ist nicht einfach die Überzeugung, dass alles schon gut ausgehen wird. Nein, Hoffnung ist ein Elixier in offenen Situationen. Gerade wenn unklar ist, ob etwas gut ausgeht oder nicht. Dann ist Hoffnung die Gewissheit, dass das, was wir tun, was wir denken, wie wir handeln, was wir unterlassen, Sinn macht, ohne Rücksicht darauf, wie es dann womöglich ausgeht.
Darauf vertraue ich bis heute und darauf hoffe ich. Ich bin sehr dankbar, dass Václav Havel, der Mitbegründer der Charta 77 in Prag, den Weg unseres Nachbarlandes in die Demokratie Europa so überzeugend gegangen ist. Für mich bleibt er ein Vorbild.
Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof aus Halle