Was bedeutet "christlich"?
Ich habe gleich gedacht: „O ohhhhh“. Das gibt Ärger.
Ich meine die Äußerung neulich von Außenminister Wadephul bei seinem Besuch in Syrien. Er hatte eine Stadt in der Nähe von Damaskus besucht. Wobei „Stadt“ leider nicht mehr das passende Wort ist. Er stand inmitten einer Trümmerwüste. Um ihn herum Ruinen, zerstörte Häuser, Geröllberge, alles unter einer dicken Staubschicht.
Da stand er und war von dem Anblick sichtlich erschüttert.
Und dann dieser Satz. Dass er bezweifelt, dass in den nächsten Monaten viele Menschen dorthin zurückkehren würden. In diese Trümmerlandschaft. Dort könne man kaum richtig würdig leben.
Ich wusste gleich: Das kommt jetzt nicht gut an. Das war einfach zu menschlich.
Das verträgt man ja zur Zeit ganz schlecht. Wenn einer Anteil nimmt am Elend, das Menschen woanders getroffen hat.
Wo sich von Otto-Normalverbraucher bis Politiker gerade viele in einem verbalen Überbietungswettbewerb an Abscheulichkeiten befinden, mit denen sie Migranten pauschal abwerten.
Ich finde das so abstoßend!
Nach dem Satz von Wadephul hatte ich jedenfalls kurz die Luft angehalten. Weil klar war, dass das Ärger gibt. Und gleichzeitig ging mir das richtig nahe.
Es gibt sie also noch. Spitzenpolitiker, die auf die Not anderer ganz normal reagieren. Nämlich mitfühlend. In der Partei mit dem C im Namen! Tatsächlich!
Einen Moment habe ich mich als Christin mal nicht fremdgeschämt, sondern war berührt und erleichtert.
Solche Menschen machen mir Hoffnung.
Johann Wadephul wünsche ich, dass er den Rücken weiterhin gerade macht!
Und dass Gott ihm dazu ordentlich Durchhaltekraft schenkt.
Pfarrerin Christina Lang, Ev. Kirchengemeinde Naumburg