Zuversichtlich sein
Eines der Worte, die mich besonders ansprechen in diesen Tagen, ist Zuversicht. Ich erlebe nämlich in meiner Nachbarschaft und mit Kolleginnen und Kollegen gerade viel zu oft das Gegenteil: Viel Angst. Angst vor Verlust, vor politischen Bedrohungen, Angst vor den Entwicklungen in unserem Land und dem weiteren Lauf der Welt …
Die Bibel spricht sehr offen und unverblümt von existenzieller Not und Elend, in dem Menschen oftleben. Es trifft sie aus heiterem Himmel und unverschuldet – oder es wird von Generation zu Generation weitergegeben. Aber die Bibel stellt diesem Elend keine heile Welt entgegen. Stattdessen sagt sie: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (Röm 8,15, 2. Tim 1,7).
Der erste Schritt, um Elend und Not zu überwinden, ist die Art und Weise, wie wir auf unsere Situation schauen. Dabei geht es nicht um Optimismus oder Pessimismus. Sondern darum, was Angst bewirkt: Misstrauen, Abgrenzung von anderen, Stillstand, Festklammern an dem, was man hat. Zuversicht hingegen sieht die guten Möglichkeiten in einer schlechten Situation. Sie bringt uns zum Handeln, weil wir hoffen, dass ein besserer Zustand erreichbar und machbar ist.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Menschen finden, die ansteckend sind in der Zuversicht; mit denen Sie gemeinsam ihre Nöte und die Ängste überwinden können. Oder, dass Sie selbst für andere so ein Mensch sein können.
Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof aus Halle