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Aufrecht

9. April 1945. Morgendämmerung im Konzentrationslager Flossenbürg. Nur noch wenige Wochen, dann wird das Lager befreit sein. Doch für den Theologen Dietrich Bonhoeffer endet der Weg hier. Er wird zum Galgen geführt.

Bonhoeffer – kein Mann der hohlen Worte. Er hat den Begriff der „billigen Gnade“ geprägt. Billige Gnade – damit meinte er eine Frömmigkeit, die es sich gemütlich macht. Die sonntags in der Kirche schön singt, aber montags wegsieht, wenn Unrecht geschieht.

Bonhoeffer hat nicht weggesehen. Ist in den Widerstand gegangen. Hat als Doppelagent alles riskiert, um dem Grauen des NS-Regimes ein Ende zu setzen. Hat gelebt, was er glaubte – mit vollem Risiko.

Nur einen Tag vor seiner Ermordung, am Sonntag nach Ostern, feiert er mit Mitgefangenen einen kleinen Gottesdienst. Mitten in der Zelle. Dann wird sein Name aufgerufen. Bonhoeffer weiß: Das ist sein Todesurteil. Ein Mitgefangener hat letzte Worte festgehalten. „Das ist das Ende“, sagte er, „für mich der Beginn des Lebens.“ 

So spricht einer, der Ostern und Auferstehung verinnerlicht hat: nicht als fromme Theorie, sondern als Freiheit, sich nicht von der Angst regieren zu lassen. Nicht von der Angst um das eigene Leben und auch nicht von der Angst vor der Meinung der Masse. 

Und ich lasse mich fragen: Was ist dein Glaube, deine Freiheit, was sind deine Werte wert, wenn sie dich etwas kosten? Wenn es unbequem wird?

Nein, wir müssen heute keine Doppelagenten sein. Aber wir brauchen Rückgrat. Wer im Licht von Ostern lebt, muss sich vor der Dunkelheit nicht beugen.

Einen aufrechten Tag wünscht Juliane Baumann, evangelisch aus Erfurt

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