Aufstand im Warschauer Ghetto
Es war der 19. April – heute vor 83 Jahren. Diesmal blieben die bereitgestellten Waggons leer. Bereitgestellt von den deutschen Besatzern, um Juden aus dem Warschauer Ghetto in die Vernichtungslager zu deportieren. Aber an dem Tag begann der Aufstand im Ghetto. Jugendliche hatten eine jüdische Kampforganisation gegründet. 400.000 Jüdinnen und Juden waren ab Herbst 1940 im Warschauer Ghetto eingepfercht: 30 Prozent der Warschauer Bevölkerung auf nicht einmal 3 Prozent der Stadtfläche. Hunger, Krankheiten, dann die Deportationen. Nur 60.000 hatten bis dahin überlebt. Die nahmen den Kampf auf.
Die 23-jährige Jüdin Noemi Szac-Wajnkranc hat aufgeschrieben, was sie damals erlebt hat: „Panzerwagen fuhren ins Ghetto, Soldaten kamen. Wir werden uns mit euch messen, wir Kranken, Halbverhungerten, Verängstigten. …Unsere Mädchen und Jungen liefen den Panzerwagen entgegen und warfen Handgranaten. Als ein Zwölfjähriger fiel, hatte er niemanden, der ihn hätte begraben können … dafür blieb er für immer in unseren Herzen.“ Ein besserer Tod als der in einer Gaskammer, schreibt sie. Mehr als vier Wochen hielten sie durch, dann wurde das Ghetto niedergebrannt.
Ich frage mich, wie lange sollen wir denn noch an all die Naziverbrechen erinnert werden. Aber dann schiebt sich eine andere Frage vor: Was entgegnen wir den Kräften, die nicht wahrhaben wollen, was Nazismus und Rassismus anrichten können – oder gerade deshalb darauf setzen? Wir erinnern uns, um darauf eine Antwort zu finden und zu widersprechen.
Einen guten Sonntag wünscht Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.