Besondere Zwerge
Eigentlich finde ich Gartenzwerge fürchterlich kitschig. Kein einziger wird sich je in meinen Garten verirren.
Doch in diesem Urlaub begegne ich ihnen ganz oft und finde sie gar nicht kitschig. Im polnischen Wroclaw bin ich mit meinem Mann in diesem Sommer unterwegs. Dort kommt man an den kleinen Bronzegesellen nicht vorbei. Sie sitzen oder stehen an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Einer grüßt sogar von einem hohen Schornstein und ist nur durch ein Fernrohr zu entdecken.
Was hat es mit Wroclaw und seinen Zwergen auf sich? Ein netter Touristengag? Nicht nur. Sie entstammen einer Protestbewegung aus den 80ger Jahren. Da malten Leute sie auf Häuserwände oder verkleideten sich selbst als Zwerge, um gegen das System zu protestieren. Gegen Zwerge konnte das Regime nichts sagen. Nach dem Umbruch nahmen Künstler diese Idee auf und fingen an, überall in der Stadt kleine Bronzezwerge aufzustellen. Oft haben sie einen Bezug zu dem Ort, an dem sie stehen oder stellen Berufe dar.
Und nicht selten haben sie eine Botschaft. Zum Beispiel die Friedenszwerge, zwei kleine Wichtel, die eifrig ein Schwert zersägen. Oder der Liebeszwerg, der für alle Liebenden ein Glückshufeisen in den Händen hält.
Ihren Protestauftrag brauchen sie nicht mehr zu erfüllen. Aber sie tun doch etwas. Sie zaubern Vorübergehenden ein Lächeln ins Gesicht, beruhigen quengelnde Kinder, begeistern Touristen wie mich.
Und es werden immer mehr! Ein Hoch auf diese Zwerge!
Cornelia Biesecke aus Eisenach, ev. Kirche