Burkhard Scheffler
Manchmal schließt sich der Kreis. Da ist der Naumburger Dom. Und ein Altarbild von Lucas Cranach dem Älteren, das schwer beschädigt war. Der Leipziger Maler Michael Triegel bekam den Auftrag, das Mittelteil neu zu malen. Hat er gemacht. Dann brach ein Streit los, wo das Altarbild nun stehen soll im Dom, hier oder da Momentan ist Ruhe. Das Altarbild ist ausgeliehen: nach Rom. Zu sehen in einer Nebenkirche des Petersdoms. Auf dem Altarbild ist neben anderen auch Petrus abgebildet. Na ja, es soll Petrus sein. Abgebildet ist Burkhard Scheffler, ein Deutscher. Der hat aber nicht in Naumburg Modell gesessen, sondern in Rom. Burkhard Scheffler hat nämlich etliche Jahre auf dem Petersplatz gelebt. Als Obdachloser. Er fiel – mit seinem mächtigen Bart – dem Maler auf und der hat ihn porträtiert.
Unter den Säulengängen am Petersplatz schlagen jede Nacht Dutzende Menschen ohne Obdach ihr Lager auf, geschützt vor Wind und Regen. Der Papst erlaubt das. Im Sommer reichen Pappe und Schlafsack. Im Winter nicht. Im Winter vor drei Jahren war es in Rom so kalt, dass Burkhard Scheffler erfroren ist, mit 61 Jahren. Mit dem Altarbild ist er nun von draußen nach drinnen gezogen, von vor der Kirche in die Kirche.
Wo etwas oder jemand zum Stehen oder zum Liegen kommt, kann über Leben und Tod entscheiden. Ich wünschte mir, dass wir darüber mehr streiten. Burkhard Scheffler, der als Petrus mit roter Basecap von dem Altarbild herunterschaut, erinnert daran, worum sich die Kirche zu kümmern hat. Wir alle. Amen.
Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.