Die Kinder in Ceuta
Wie verteidigt man das christliche Abendland, also die christlichen Werte? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Es gibt eine Leitfrage, die hilft: Was würde Jesus dazu sagen? Ich habe mich das gefragt, als vor einem Monat zehntausende junge Menschen, darunter tausende Minderjährige, von Marokko aus nach Ceuta gekommen sind, viele sind geschwommen. Mindestens 70 sind dabei ertrunken. Halb Europa hat sich echauffiert, die deutsche Regierung war ganz vorn mit dabei: ein Versagen der europäischen Migrationspolitik, der spanischen Behörden, ein Krisenstab muss her. Eine Woche später haben sie sich wieder eingekriegt. Alles wieder gut.
Die sich da aufgeregt haben, beschwören zugleich das christliche Abendland, das es gegen Angriffe von außen zu verteidigen gilt. Und dieses christliche Abendland hört scheinbar an dem Zaun, der Ceuta abschirmt, auf. Wenn wir überlegen, was Jesus dazu sagen würde, dann werden wir auf ganz andere Fragen kommen als nur die, wie Europa „gesichert“ werden könnte. Der christliche Scheinwerfer schwenkt von dem Zaun zu denen, die da im Meer treiben: Was bringt sie dazu, an irgendeinem Nachmittag, ohne jede Vorbereitung, ohne auch nur das notwendigste Gepäck, ohne Proviant, von einer Minute zur anderen zu Zehntausenden ihre Heimat zu verlassen? Ihre Familien? Kinder und Jugendliche ihre Eltern? Wie leben diese Menschen, warum tun sie das?
Das ist eine christliche Frage, es ist die Frage, der Jesus nachgehen würde. Die gehört nach Marokko genauso wie nach Europa, findet
Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach