Die Kraft eines besonderen Gebetes
Das Vaterunser ist für mich ein ganz starkes Gebet. Ich kann mir seine Worte ausleihen, wenn ich selber keine habe. Da steckt einfach alles drin: Hoffnung auf Gottes Gerechtigkeit, Trost, Vergebung, Dank und Bitte. Mit wenigen Worten ist so viel gesagt.
Das hat unsere Tochter erlebt, im Konzentrationslager Buchenwald. Sie steht dort vor Jahren mit ihrer Schulklasse. Der Ort lastet schwer auf den jungen Leuten. Einige haben Tränen in den Augen. Und alle schweigen. Doch genau in diese Stille bricht plötzlich das Unfassbare: Eine andere Schülergruppe albert herum. Jemand lacht laut, posiert für ein Selfie vor den Verbrennungsöfen. Die das sehen, erstarren. Sind fassungslos, fühlen sich ohnmächtig gegenüber solcher Kälte. Eine Lehrerin geht dazwischen, beendet das böse Treiben. Aber das Entsetzen bleibt im Raum stehen.
Und mitten in dieser Starre fasst eine Freundin unserer Tochter die Hand ihrer Nachbarin. Die nächste nimmt die nächste Hand. Sie halten sich ganz fest. Und dann beten sie. Laut. Mitten auf dem Gelände: „Vater unser im Himmel…“
Unsere Tochter beschreibt das später als einen Moment, der alles verändert hat. Aus der Ohnmacht wird plötzlich Kraft. Sogar fremde Menschen, die zufällig vorbeigehen, bleiben stehen und beten mit.
Dieses Vaterunser, dass Jesus einst seinen Freunden mitgegeben hat, ist bis heute ein großes Geschenk. Es kann so viel. Unsagbares in Worte bringen, Menschen verbinden. Erstarrung lösen. Sogar Verletzungen heilen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen. Cornelia Biesecke aus Eisenach, ev. Kirche