Die Kuh im Propeller
„Es entwickelt sich – das Flugwesen.“ Der Satz hatte es in der DDR sogar auf Schallplatte geschafft. Unvergesslich wie Manfred Krug diese Geschichte von der Kuh im Propeller vorträgt: Der Genosse Kossonossow, Leiter einer Flugschule, fährt in sein Dorf und agitiert die Bauern. Er erzählt am Feuerwehrschuppen vom Flugwesen. Und verliert sich in Flugunfällen. Hier kam eine Kuh in den Propeller, da ein Hund. „Auch Pferde?“, fragen ängstlich die Bauern. „Auch Pferde.“ „Das Flugwesen, es entwickelt sich bei uns, Genossen Bauern“, endet Kossonossow.
An den muss ich immer denken, wenn ich den deutschen Innenminister über Migrationspolitik reden höre, den Herrn Dobrindt. Die Vorgängerregierung (zu der auch Teile der jetzigen gehört haben), hatte afghanischen Ortskräften, die für deutsche Institutionen tätig waren, versprochen, sie vor den Taliban in Sicherheit zu bringen. Viele sind dem Versprechen gefolgt und warten in Pakistan auf Einreisevisa nach Deutschland. Es sind noch 1.700, wie ich einem Bundestagspapier entnehme. Deutschland will das Versprechen nicht einhalten und Pakistan will sie nach Afghanistan zurückschicken.
Sie entwickelt sich, die Migrationspolitik des Genossen Dobrindt. Eine seelen- und würdelose Politik, der es egal ist, wer da in den Propeller kommt.
Die Evangelische Kirche hat Kollektengeld zugesagt, gesammelt in Gottesdiensten, damit die Menschen Anwälte bezahlen und vor Gericht ihr Recht durchsetzen können – gegen den deutschen Innenminister. Sie entwickelt sich, die christliche Antwort auf die gebrochenen Versprechen.
Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.