Die Löffelliste
What would you like to do? – Ich habe vor Weihnachten einen Englisch-Kurs gemacht: Bildungsurlaub. Da gibt’s ein Anrecht drauf. Ich kann das nur empfehlen. Ich also 40 Jahre nach meinem Schul-Englisch sitze wieder in einem Klassenraum. Und dann die erste Aufgabe: What would you like to do before you die? Was möchtest du noch tun, bevor du stirbst? – Ich denke: Hä, wo bin ich hier hingeraten?
Und dann die Antworten, so kleine Lückentexte: Ich möchte noch auf den Mount-Everest und noch mit dem Fallschirm abspringen. Ich vor Australien mit Haien schwimmen und auf Grönland mit einem Eisbär spielen. Da denke ich: Merkwürdig, das Erste, was den Leuten einfällt, ist, ihr Leben zu riskieren. So nach dem Motto: Jetzt habe ich ja nichts mehr zu verlieren.
Als der Sprachkurs zu Ende war, war ich immer noch sprachlos.
Bei all den spinnerten Aktionen – wo sind da die Menschen? Okay, beim Fallschirmabsprung klammert man sich an dem Profi fest, aber bei all den anderen Dingen ist man besser allein, oder? Also, was würde ich gern noch erleben?
Ich möchte nochmal nach Damaskus, aber nicht allein – und nach Barcelona, aber nicht allein. Ein Fest mit Freunden, also feiern, aber nicht allein. Zwei, drei Leuten, die mich bitter enttäuscht haben, sagen, was das mit mir macht – vielleicht mit zwei englischen Wörtern. Das mache ich besser allein. Und das dann meinen Kindern erzählen und darüber lachen. Überhaupt Lachen. Aber nicht allein. Eigentlich stelle ich mir so nicht erst das Ende vor, sondern dieses neue Jahr.
Und Sie?
Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.