Gedenken
Jenny Großmann, Bernhard Großmann, Fritz Cohn, Meta Löwenstein, Matilde Heilbrunn. Diese und andere Namen sind heute auf Schildern zu lesen. Menschen halten sie hoch in der Eisenacher Karlstraße. Um zu erinnern an jüdischen Mitmenschen, die hier wohnten und lebten, bis sie in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und zumeist in Konzentrationslagern ermordet wurden. Heute ist der Holocaust-Gedenktag. Er mahnt und erinnert an Millionen Menschen, die in der Nazizeit entrechtet, verfolgt und ermordet wurden.
Es gibt tatsächlich Menschen, die solche Gedenktage am liebsten abschaffen würden. ‚Das ist so lange her, man muss doch mal abschließen mit der Vergangenheit, lieber an Positives denken.‘ - das hört man dann als Argumente.
Ich sage: Nein! Wir brauchen solche Gedenktage. Auch, wenn sie wehtun und an Schreckliches erinnern. Es gibt kaum noch Zeitzeugen. Viele junge Menschen zucken inzwischen mit den Schultern, wenn sie das Wort „Holocaust“ hören. Was soll das sein?
Solche Aktionen wie in der Eisenacher Karlstraße und an vielen anderen Orten heute sind wichtig. Die Namen auf den Schildern sind wichtig. Jeder Name steht für ein Leben, eine Geschichte. Sie sollen und dürfen nicht vergessen werden.
„Seid einfach Menschen“, hat Margot Friedländer immer wieder gesagt. Sie war Zeitzeugin und hat bis ins hohe Alter von ihren schweren Erlebnissen erzählt. Seid Menschen – auch das Erinnern gehört zum Menschsein, gerade an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte.
Ich grüße Sie aus Eisenach. Cornelia Biesecke, ev. Kirche.