Geh aus, mein Herz
„Geh aus, mein Herz und suche Freud“ – dieses alte Kirchenlied hat es geschafft, so was wie ein Volkslied zu werden. Geschrieben hat es der Liederdichter Paul Gerhardt. Heute vor 350 Jahren ist er gestorben. Er beschreibt in diesem Lied die wunderbare göttliche Schöpfung. Plätschernde Bäche, summende Bienen, Vogelgezwitscher und bunte Blumen. „Na jaaa,“ werden Sie vielleicht denken, „ist ja eher banal und so besonders nun nicht.“
O doch. Denn das Lied ist nur fünf Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges entstanden. Ein halbes Menschenleben Krieg – verbrannte Erde, zerstörte Seelen. Die Menschen haben sich so sehr gesehnt nach Schönheit, Glück, nach Zuversicht. Paul Gerhardt sicher auch. Sein Leben war geprägt von Existenzsorgen und schlimmen Schicksalsschlägen. Fünf seiner sechs Kinder haben er und seine Frau früh begraben müssen.
Seinen Glauben aber, den hat er nie begraben. An Gott, der das Gute will für seine Menschen, der auch im tiefsten Leid da ist. „Geh aus, mein Herz und suche Freud.“ Ja, schau hin, wie auch nach dreißig Jahren Krieg Blumen blühen und Bienen summen, trotz des Grauens ringsum. Suche, hoffe, glaube. Ich finde das beeindruckend, finde ihn beeindruckend, diesen Paul Gerhardt. Noch viele andere Lieder hat er geschrieben, die Ähnliches erzählen. Die seither und bis heute immer wieder kraftvoll gesungen werden. Und dabei zeitlos sind. Menschen brauchen sie auch heute: überall dort, wo Krieg und schlimme Nöte herrschen. Und wo Menschen dennoch glauben und hoffen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen. Cornelia Biesecke aus Eisenach, ev. Kirche