Halbseidene Sprüche
Es gibt so Sprüche, die eine Sache schlüssig auf den Punkt bringen sollen, wie eine Formel, allgemeingültig, die den Sack zubindet.Ein Beispiel: Geht es um den Frieden, heißt es: Erst wenn wir den Frieden im Kleinen hinbekommen, wird auch Frieden im Großen. Das ist doch eine tiefschürfende Weisheit, leuchtet ein, oder? Nee, tut sie nicht, das schürft nicht tief, sondern kommt so dahergeschlurft. Oder meint jemand, dass wenn ich mit allen gut auskomme (wofür ich drei Leben bräuchte), dass das Kriegstreiber wie Putin beeindruckt?
Oder: Der Weg ist das Ziel. Ein Spruch, der über alle Widrigkeiten hinwegtrösten soll. Er gilt allerdings nicht, wenn es um Krieg geht, da sind Verhandlungen der Weg, das Ziel ist Frieden. Zwischen Iran und USA liefen gerade Verhandlungen. Da war ein Weg, den haben Trump und Netanjahu erstmal weggebombt.
Und dann sind da wieder Millionen auf der Flucht. Denen nachzurufen: „Der Weg ist das Ziel.“, wäre ja wohl zynisch.
So zynisch wie der Spruch: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Kann sein, dass da jemand traumatisiert aus Kriegsgebieten kommt, geschwächt für ein halbes Leben. Wir würden ihn wohl kaum mit dem Spruch auf die Schulter klopfen und in Therapie schicken.
Diese Sprüche passen mal, dann wieder nicht. Da heißt es, nicht immer und überall einen Spruch zu machen, mit dem sogar verletzten könnten.
Ich kenne nur einen Spruch, der immer passt, allgemeingültig. Vielleicht wird er deshalb „goldene Regel“ genannt. Steht in der Bibel: „Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“
In diesem Sinne, einen guten Tag, Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.