Heimat
Wenn Monika Frühschicht hat, fährt sie nach Dienstschluss gerne Fahrrad. Gerade jetzt im Sommer. Sie wohnt im ländlichen Raum, radelt über die Dörfer, durch Felder und Wiesen. Das tut ihr gut, weil sie dann schneller den Kopf frei bekommt. Monika arbeitet im Pflegeheim. Das ist nicht nur körperlich anstrengend, auch die Seele hat ordentlich zu tun mit den vielen Schicksalen, die ihr tagtäglich begegnen.
Beim Radeln kam ihr letztens eine geniale Idee. Viele der Pflegeheimbewohner stammen ja aus der Gegend, durch die Monika fährt. Deshalb fährt seit einiger Zeit eine kleine Kamera mit, die sie am Fahrradlenker aufgesteckt hat. Damit nimmt sie alles auf: Straßen, Dorfplätze, Häuser, Feldwege.
Die Filme nimmt sie mit ins Pflegeheim und führt sie dort vor. Und so mancher Bewohner, der den Weg nach draußen nicht mehr schafft, ist nun noch einmal unterwegs in der Heimat. Monika hört solche Sätze wie: „Da hinten habe ich gewohnt. Da ist unser Garten. Auf dem Wiesenweg bin ich immer mit meiner Freundin gelaufen.“ Oder: „Unter der alten Linde hat mich der Karl-Heinz zum ersten Mal geküsst. In der Kirche haben wir geheiratet.“
Bei manchen der alten Leute kullern dann sogar Tränen. Weil die Heimat wiederkommt. Und so viele Erinnerungen. Schöne und traurige. Monika schenkt ihnen mit ihrer Idee ihr Leben zurück. Von der Kindheit bis jetzt. Sie werden wieder ganz – sind nicht nur die Alten im Heim. Die am Rande. So viel kommt zurück. Mit Hilfe einer einfachen, aber großartigen Idee.
Danke Monika!
Einen guten Tag wünscht Cornelia Biesecke aus Eisenach, ev. Kirche.