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10.10.2016
Ja, aber

Ja, aber

Religionsunterricht in der Grundschule. Mit Acht- und Neunjährigen beackere ich gerade das schwierige Thema: „Fehler machen – und dazu stehen.“
Eine biblische Geschichte hilft uns dabei. Die geht so. Ein Sohn lässt sich vom Vater sein Erbe auszahlen und zieht in die Welt. Er gibt alles aus. Verarmt kehrt er zurück. Kleinlaut. Beschämt. Kommt vom Vater die Standpauke? Oder guckt er ihn nicht einmal an? Im Gegenteil: der Vater empfängt ihn mit offenen Armen!

Im Unterricht beobachten die Kinder ihr eigenes Verhalten. Was machen wir, wenn wir Fehler gemacht haben? Die Palette ist bunt. „Ja, aber der hat auch Fehler gemacht.“ oder „Ich sage nichts, dann merkt es keiner.“ „Der war's, nicht ich.“ In Rollenspielen probieren wir, wie das ist, zu Fehlern zu stehen – ohne Wenn und Aber. Und stellen fest: Das ist schwer. Aber danach geht es uns besser.

Ich merke, wie sensibel ich für das Thema werde. Beobachte meine Umwelt. Und ertappe mich, wie oft ich selber „Ja, aber“ sage oder nach Erklärungen suche, die mich entschuldigen. Zu Fehlern stehen, meine Schuld eingestehen, fällt schwer. Da hat der Sohn in der Bibelgeschichte ganz schön Stärke bewiesen, obwohl er so kleinlaut daherkam. Der Vater aber auch. Weil er verzeihen konnte, ohne Standpauke. Danach geht es beiden gut. Da wird nämlich ein Fest gefeiert. Was für ein tolles Lebensmodell!

Findet Cornelia Biesecke, ev. Pfarrerin aus Eisenach.


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