Kein Spaziergang
Ostermontag. Für viele steht – wahrscheinlich nicht erst seit Goethe das Wort „Spaziergang“ im Kalender.
Ganz ehrlich? Ich mag keine Spaziergänge. Schon das Wort löst in mir Widerstand aus. Nach dem Essen im Gänsemarsch durch den Stadtpark. Für mich als Kind der blanke Horror. Ich kenne den Weg, jede Bank, jede Kurve. Sterbenslangweilig, weil ich schon vorher weiß: Wir laufen einmal rum und sind wieder am Ausgangspunkt. Punkt.
Nicht falsch verstehen, ich wandere leidenschaftlich gern, liebe die Natur. In Wald und Feld über Stock und Stein. Das Problem ist: Im Kopf gehe ich auch da oft trotzdem nur „spazieren“, drehe die immer gleichen, öden Runden um meine Sorgen. Ich kaue auf einer blöden Bemerkung herum. Ich kenne jede Abzweigung meines Frusts auswendig. Ich weiß ja sowieso schon, wie es endet.
Genau so stelle ich mir die zwei Freunde vor, von denen die Bibel berichtet. Die sind am ersten Tag nach Ostern nach Emmaus unterwegs. Für sie war die Geschichte gelaufen. Sackgasse. Jesus tot, Hoffnung weg. Sie denken, sie kennen den Weg.
Und dann geschieht es: Ein Fremder gesellt sich zu ihnen. Der läuft einfach mit, er hört ihnen zu. Und während sie noch an ihrem „Ende“ kauen, bekommt ihr Denken eine Kurve, wird die Welt plötzlich wieder weit. Weil da jemand ist, der den Blick für das Neue öffnet. Für ein Leben, das weiter-geht.
Ja, das Leben ist kein Spaziergang, kein öder Rundweg, auf dem ich mich nur um mich selbst drehe. Gott selbst ist der Wandergefährte, der mir zeigt: Es gibt immer noch einen Weg, den du noch nicht kennst.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Ostermontag – voller guter Überraschungen.
Juliane Baumann, evangelisch aus Erfurt