Keine Zwangsdigitalisierung
Staatsmodernisierung ist das Zauberwort, herbeigezaubert durch die – Abrakadabra: Digitalisierung. Der moderne Staat ist digital und der moderne Bürger muss sich digitalisieren. Arzttermine? Herr Beck, anrufen brauchen Sie nicht, geht eh niemand ran, fahren Sie hin – oder eben: digital. Antrag auf Kindergeld, irgendeine Förderung? Digital bitte. Tickets? Digital. Die Bratwurst im Fußballstadion? Deine Euros kannst Du steckenlassen, EC-Karte bitte. Meine BahnCard, die Bordkarte fürs Flugzeug? Zukünftig nur noch auf dem Smartphone. Und wenn ich keins habe?
Dann kauf dir halt eins oder ein neues. Abrakadabra … so einfach. Ist es eben nicht. Manches Smartphone ist so teuer wie die monatliche Grundsicherung.
Nee, ich bin nicht von gestern – und meine 88-jährige Mutter schon gar nicht, die macht alles per Smartphone, nur den Garten gräbt sie selber um. Und ja, es nervt, wenn Dinge digital einfacher wären, ich aber Papier beschreiben muss. Es geht darum, wie weit das digitale Pendel ausschlägt und wen es dabei erschlägt. Es geht um Zwangsdigitalisierung, die Menschen ausgrenzt. Es geht um die Scham dieser Menschen und die Schamlosigkeit derer, denen das egal ist.
„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, … seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens“, undsoweiter, „benachteiligt … werden“. So steht es im Grundgesetz, Artikel 3. Nicht nur ich finde, hier braucht es eine Ergänzung: „Niemand darf, weil er digitale Angebote nicht nutzt, benachteiligt werden.“ Dazu gibt es eine Petition, die liegt im Bundestag und der hat den Auftrag, dafür zu sorgen, dass wir alle die gleichen Chancen haben.
Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach