Kindswohl
Die Festtage sind vorbei, und manch Krippenidylle weicht der rauen Realität. Unweigerlich. Hunger, Kriege, Terror – alles noch da.
Die biblischen Weihnachtsgeschichten sind da erstaunlich aktuell. Das Matthäusevangelium erzählt: Als Sterndeuter nach dem neugeborenen König fragen, gerät König Herodes in Panik. Denn er sieht in dem Kind einen Rivalen und befiehlt, in Bethlehem alle Jungen bis zu zwei Jahren zu töten. Angeordneter Massenmord.
Das Jesuskind entgeht diesem Terror nur knapp. Joseph und Maria fliehen mit dem Neugeborenen nach Ägypten. Der göttliche Retter beginnt sein Leben als Schutzsuchender auf der Flucht. Diese Geschichte wird an diesem Sonntag in den Kirchen gelesen. Und dieser Tag wird auch „Tag der unschuldigen Kinder“ genannt.
Es braucht nicht viel Fantasie, um die Aktualität in der alten Geschichte zu sehen.
Kindswohlgefährdung. Mir stockt der Atem: über 72.000 Meldungen in der aktuellen Kriminalstatistik, jährlich, allein in Deutschland. Tendenz: steigend.
Seit einem Vierteljahrhundert haben Kinder in Deutschland das gesetzlich verankerte Recht auf gewaltfreie Erziehung! Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt sind verboten und stellen zudem einen Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention dar. Jedem Kind steht ein menschenwürdiges Leben zu, weltweit. Punkt.
Vielleicht ganz gut, nach dem großen Kindergeburtstagsfest an Weihnachten daran zu erinnern. Ich glaube, Gott hat sich schon was dabei gedacht, in der Heiligen Nacht als Kind in diese Welt zu kommen.
Juliane Baumann