Kyffhäuser
Heute vor 130 Jahren, am 18. Juni 1896, weihte Kaiser Wilhelm II. das Kyffhäuser-Denkmal ein. Klotzig und protzig steht das 81 m hohe Monument weit sichtbar auf den Ruinen der Burg Kyffhausen in Nordthüringen.
Kaiser Friedrich Barbarossa soll oft dort gewesen sein. Er starb 1190 auf dem Weg nach Jerusalem und blieb als guter Herrscher in Erinnerung. Ein Grab fand er nicht. So ging die Sage, er habe sich zum Schlaf in den Kyffhäuser zurückgezogen. Von dort werde er kommen und ein neues Reich errichten.
Mit der Einigung des Deutschen Reiches nach 1871 wurde die Legende gern aufgenommen, um das Kaiserreich als Vollendung von Barbarossas Reich darzustellen. Solche Propaganda war ganz nach dem Geschmack von Wilhelm II. Er wollte wie Barbarossa Kaiser von Gottes Gnaden sein.
Dankbarkeit für das Erreichte, Bescheidenheit und Demut spielten keine Rolle. Mit Angeberei und Überheblichkeit versündigte und verhärtete er sich. Letztlich verweigerte Wilhelm II. Mitsprache und soziale Gerechtigkeit und verspielte den Frieden. Sein Motto: „An deutschem Wesen soll die Welt genesen.“ hat nie funktioniert, muss man rückblickend feststellen. Ein Weltkrieg und das Ende des Kaiserreichs 22 Jahre nach Einweihung des Denkmals folgten.
So erinnert der Kyffhäuser heute auch an einen Herrscher, der mehr von Gott redete als nach seinem Gebot handelte, und an menschliche Überhebung und ihre Folgen. Dankbarkeit, Bescheidenheit, Demut – wem bricht davon ein Zacken aus der Krone?
Jan Lemke, evangelisch, aus Erfurt.