Rosa Luxemburg
Immer am 15. Januar wird ihrer gedacht: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, ermordet 1919. In der DDR war das Datum Pflichterinnerung. Gerade lese ich einen Roman, der in der DDR spielt. Und darin ein sehr dichter Satz, der zeigt, wo die DDR nicht ganz dicht war, ich zitiere: „An Rosa Luxemburg liebte man in diesem Land die Leiche, aber nicht die Lektüre.“
Denn mit ihren Schriften konnte man dem Staat den Spiegel vorhalten. Deshalb haben wir sie gern auf Flugblättern zitiert, beispielsweise das hier: „Ohne allgemeine Wahlen … Versammlungsfreiheit … Meinungskampf … erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution. Eine Elite wird von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen.“ Kräftige Sätze. Aber da konnte die Partei-und Staatsführung nichts gegen sagen, stand ja der Name Luxemburg drunter.
Was sie sagte, war Reibungsfläche. Auch für die Kirche. Mit dem Glauben hatte sie es nicht so, mit Jesus schon. Sein Einsatz für die Armen hat sie genauso fasziniert wie die ersten Christen, die alles geteilt und die kommunistische Idee haben aufleuchten lassen. Der Kirche hat sie vorgehalten, dass sie selbst das nicht ernst genug nimmt. Wasser predigen, aber Wein saufen … diese Kluft wirft sie der Kirche, den Parteien, den Mächtigen vor. Und da macht sie ja wohl – auch heute noch – einen Punkt,
findet Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.