Über Grenzen hinweg
Zwei Familien stehen am Grab und halten einander an den Händen. Eine deutsche und eine französische Familie. Ungewöhnlich? In diesem Falle ja. Der hochbetagt verstorbene Großvater war als ganz junger Mann Soldat im 2. Weltkrieg, an der Westfront. Er schoss auf französische Soldaten. Das waren seine Feinde.
Dann kommt er in Kriegsgefangenschaft. In Frankreich. Auf einem Bauernhof. Die französische Bäuerin hat ihren Mann und ihren Vater im Krieg verloren. Der Deutsche an ihrem Tisch ist einer von denen, die ihr die Liebsten genommen haben. Ein Feind.
Es fällt ihr so schwer, ihm in die Augen zu schauen, ohne ihn zu verachten. Doch sie sieht irgendwann auch den jungen Mann, dem die Jugend genommen wurde.
Eine Freundschaft entsteht. Die bleibt bestehen, auch über das Kriegsende hinaus. Auch als der junge Deutsche längst wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist. Der Kontakt bleibt bestehen, über Jahrzehnte, durch Besuche, Briefe, Anrufe. Gegenseitige Anteilnahme an Freud und Leid.
Nun ist er gestorben. Die nächste Generation steht an seinem Grab. Hält sich an den Händen. Trauert gemeinsam. Tröstet einander. Sie bleiben die französische und die deutsche Familie. Sie sind dennoch verbunden, über Grenzen hinweg. Über die sichtbaren und unsichtbaren. Die im Kopf und im Herzen.
So soll es sein.
Einen guten Tag wünscht aus Eisenach Cornelia Biesecke, ev. Kirche.