Vater vergib
Heute vor 81 Jahren ging in Europa der 2. Weltkrieg zu Ende.
Das ist lange her.
Gott sei Dank – sagen die einen.
Andere befürchten, dass mit jedem Jahr und jedem fehlenden Zeitzeugen das Vergessen zunimmt.
Wie kann das sein:
Aus dem „Nie wieder Krieg“ ist inzwischen wieder ein Krieg mitten in Europa entstanden.
Von anderen Orten auf der Welt ganz zu schweigen:
Libanon, Iran, Jemen, Syrien – die Liste ist lang.
Und lang ist die Liste der Verbrechen, die mit jedem Krieg verbunden sind.
Schnell geraten die einzelnen Menschen aus dem Blick:
Kinder, Frauen, Männer.
Jeder Tag brennt sich ein in die Köpfe und die Herzen.
Jede Erfahrung von Gewalt kann neue Gewalt heraufführen.
So dreht sich die Spirale der Eskalation weiter.
Ein Ende ist nicht Sicht.
Leider.
So sind heute, 81 Jahre später, die Nachrichten wieder voll von Krieg, Zerstörung und Gewalt.
Das Friedensgebet von Coventry lädt ein zur Versöhnung.
Im Jahr 1940 hatten deutsche Bomben die Kathedrale von Coventry in England zerstört. Der damalige Pfarrer ließ in die Ruinen die Worte einmeißeln:
Vater vergib!
Seitdem wird jeden Freitag, 12 Uhr in der Kathedrale von Coventry und in der ganzen Welt für Frieden und Versöhnung gebetet.
Das ist heute wieder dringender denn je.
Auch in Weimar wird heute wieder mit den Worten des Versöhnungsgebets gesprochen:
Den Hass, der Nation von Nation trennt,
Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater vergib!
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist,
Vater vergib!
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,
Vater vergib!
Betet Ramón Seliger, Diakonie, Weimar.