Was ist das, christlich?
Mir wird nachgesagt, ich würde mit dem, was ich hier von mir gebe – nicht immer, aber immer mal – polarisieren. Die einen sind gerührt, andere schüttelt’s. Ich soll doch gefälligst etwas Christliches von mir geben. Aber was soll das sein? Vielleicht so etwas wie: Gott hat dich lieb, so wie du bist. Ja, warum nicht. Gott hat dich lieb, er hat alle Menschen lieb – und seine Liebe macht er nicht an der Hautfarbe fest, auch nicht an Ländergrenzen und nicht daran, ob jemand von Sozialhilfe lebt. Und schon haben wir wieder den Salat. Also ich habe den dann. Das Christliche, das von mir erwartet wird, soll sich so anfühlen wie: So, wie es ist, so ist es gut. Friede, Freude – und bitte keine Flüchtlinge.
Mir hat jemand eine Weihnachtskarte geschickt, die andeutet, wie das gemeint ist mit dem Christlichen. Auf einem Gemälde aus dem 15. Jahrhundert ist die heilige Familie zu sehen. Nur anders als erwartet: Josef hat das Kind auf dem Schoß, Maria ein Buch auf den Knien und liest – und Ochs und Esel halten ihre Nasen in das Buch. Verdrehte Welt bei Jesu Geburt. Oder durch Jesu Geburt?
Mit ihm werden die Karten neu gemischt, die Rollen neu verteilt, die Verhältnisse sortiert. Die Letzten werden die Ersten sein. Die nach Gerechtigkeit dürsten werden satt werden. Frauen werden nicht auf Kinder und Küche reduziert. Die Hoffnung wird umherziehen wie der Heilige Geist und sich nicht einpferchen lassen von Engstirnigkeit und Hartherzigkeit. Für alle geht ein Licht auf, und die, die bisher im Dunkeln waren, werden gesehen,
hofft Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.