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Weltbürger Rilke

An wen denken wir, wenn wir nach jemandem suchen, der so richtig schöne deutsche Gedichte geschrieben hat? Vielleicht an Rainer Maria Rilke. „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr./Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben …“, geht ein Herbstgedicht. Nun, noch ist nicht Herbst, noch ist viel Gold in der Abendsonne und die Nachtfröste sind noch weit. Aber am kommenden Sonntag ist in Sachsen-Anhalt Landtagswahl. Kommen die, die in Umfragen ganz vorn liegen, wirklich an die Macht, dann fühlt sich das für mich so endgültig an, wie es im Gedicht heißt: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt frustriert ist, wird es lange bleiben. Es würde in Sachsen-Anhalt dann „das Deutsche“ betont, was immer das auch sein mag. Nur ein Beispiel: Kinder mit Migrationshintergrund würden in gesonderten Schulklassen unterrichtet. 

Was der vielgeliebte Dichter Rilke wohl davon halten würde? Er hat im Gespräch mit einer ungarischen Schriftstellerin einmal gesagt: „Ja, ich bin ihr Landsmann“ – er ist in Prag geboren, das war damals ungarisch-österreichisch, „ich bin ihr Landsmann, aber … ich gebe nicht viel auf mein Österreichertum. Ich entstamme einer slawischen Familie ... Ich bin ein Prager, aber russischen Bluts, und es ist ein Zufall, dass meine Muttersprache das Deutsche ist.“ Rilke, ganz klar, wäre er ein Kind in Sachsen-Anhalt, müsste dann in einer solchen Klasse Platz nehmen. 

Noch ist nicht Herbst, noch können wir bauen an einem Haus, in dem alle Platz haben. An alle, die ich in Sachsen-Anhalt kenne, das will ich noch loswerden bis zum Sonntag. 

 

Eine gute Woche wünscht Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach. 

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