Wenn Kirchenmauern reden könnten
Wenn Kirchenmauern reden könnten, dann hätten sie viel zu erzählen! So wie die Eisenacher Annenkirche, in der ich seit gut vier Jahren Pfarrerin bin. Sie wird in diesem Jahr 800 Jahre alt. Ursprünglich stand sie vor der Stadtmauer und gehörte als kleine Siechenkapelle zum Annenstift.
Die Heilige Elisabeth soll das Stift gegründet haben.
Das Annenstift ist heute ein Pflegeheim und die direkt daneben stehende Kirche hat eine wechselvolle und spannende Geschichte auf dem Buckel. Sie wurde durch Brände und Kriege zerstört und immer wieder aufgebaut. Mal war sie Hospitalkirche, mal gehörte sie einer herzoglichen Stiftung, war Kirche für Diakonissen. Erst seit den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist sie Gemeindekirche für die Menschen der Eisenacher Weststadt.
Ja, wenn die Annenkirche reden könnte, dann hätte sie eine Menge zu erzählen. Menschen wurden hier getauft, konfirmiert, getraut oder beweint. Menschen haben hier die Hände gefaltet und ein Vaterunser gebetet. Über 800 Jahre hinweg, bis heute. Als wir am vorigen Wochenende zum Eisenacher Sommergewinn ein offenes Cafè in der Kirche angeboten haben, waren viele Menschen da und haben ihre ganz persönliche Geschichte mit der Annenkirche erzählt.
So viel Leben in diesen alten Mauern! So viele Wandlungen. Eins aber ist gleichgeblieben: Hier ist Raum für Klage und Lob, für Trauer und Dankbarkeit, für Glauben und Zweifel. Für Zwiesprache mit Gott. Und das wird so bleiben! Gott sei Dank!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen! Cornelia Biesecke aus Eisenach, evangelische Kirche.