Wo ist nun dein Gott?
Ich kannte Christoph nur für kurze Zeit.
Wir waren uns bei einer Familienfeier das erste Mal begegnet.
Ein junger Mann, strebsam, klug.
Christoph hatte viel vor im Leben.
Er liebte das Musizieren.
Auf der Hochzeit seines Bruders tanzten wir bis spät in die Nacht.
Er erzählte von seinen Reisen und von Dynamo Dresden.
Das war nie mein Verein.
Aber Christoph sprühte vor Leidenschaft.
Dann kam der Krebs mit Ende 20.
Christoph kämpfte.
Ich habe manches Mal gefragt:
Warum, Gott?
Christoph war ein frommer Christ.
Er war aufgewachsen in einem christlichen Elternhaus – im besten Sinne.
Aus seinem Glauben zog Christoph viel Kraft.
Mehr Kraft, als wir alle an seiner Seite manchmal hatten.
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
So heißt es in der Tageslosung für heute.
Ich kenne sie gut, die Sehnsucht, dass Gott endlich eingreifen möge.
Dass Gott sich zu erkennen gibt und endlich alles zum Guten wendet.
Endlich Frieden.
Endlich Gerechtigkeit.
Endlich keine Abschiede mehr von Menschen, die uns am Herzen liegen.
Christoph hat gekämpft bis zum Schluss.
Es hat mich beeindruckt,
wie sehr er uns, die wir haderten, immer wieder getröstet hat.
Als Christoph gestorben war,
spielten Posaunen auf dem Friedhof:
Tod, wo ist dein Stachel nun.
Das hatte er sich so gewünscht.
Das hat mich beeindruckt und tröstet mich noch heute.
Gott ist schon da, wenn wir noch nach ihm auf der Suche sind.
Bleiben Sie bei Trost - wünscht Ramón Seliger, Diakonie, Weimar.