St. Michael Benkendorf

Adressdaten


  • 06198 Salzmünde
    Michaelisstraße

Beschreibung


Benkendorf, heute zu Salzmünde gehörend, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Orte Zappendorf, Köllme und Salzmünde. Im 10. Jahrhundert wurde der Ort in Zusammenhang mit Salzmünde das erste Mal erwähnt, 1442 wurde Salzmünde samt Benkendorf von den Grafen von Mansfeld aufgekauft und gehörte fortan zu ebenjener Grafschaft. Seit 1816 gehört Benkendorf zum Saalkreis, nachdem der Ort jahrhundertelang zur Grafschaft Mansfeld gehörte. 1950 wurde Benkendorf in die Gemeinde Salzmünde eingegliedert und gehört seit 2010 zur neu geschaffenen Gemeinde Salzatal.

Ältestes Bauwerk im Ort ist die dem Erzengel Michael geweihte Kirche, heute direkt an der Hauptstraße gelegen und von dieser aus gut sichtbar. Das Gotteshaus ist in der typischen Architektur des Saalkreises als einschiffige Saalkirche mit massivem Westquerturm samt Satteldach erbaut. Im Turm künden romanische Kapitelle in den Schallöffnungen sowie romanische Zierfenster von der zeitlichen Herkunft der Kirche. Später erfuhr das Gotteshaus Umbauten, unter anderem wurde ein dreiseitiger Chorabschluss angefügt und im Zuge eines barocken Umbaus auch Halbbogenfenster eingebaut. Der helle Innenraum wird von einer Holztonnendecke überwölbt und von einer L-förmigen Empore umgeben. Der barocke Kanzelaltar mit floralem Schnitzwerk an den Seiten ist um 1725 entstanden, ebenso wie der mit schlichten seitlichen Schnitzwangen verzierte Orgelprospekt.

Hinter ihrer Front mit schlichtem Schleierwerk verbirgt sich heute eine Orgel von Furtwängler&Hammer/Hannover mit sechs Registern auf zwei Manualen und Pedal bei pneumatischen Trakturen, die jedoch leider heute vollkommen unspielbar ist.

Aus den romanischen Schallfenstern im Turm klingen zwei wertvolle Glocken in die Weite des Tales. Die kleine Glocke, von einem unbekannten Gießer 1517 geschaffen, ist durch die Darstellung einer Madonna mit Strahlenkranz auf der Flanke vorne und hinten bemerkenswert - ihre Inschrift bezieht sich eindeutig auf die Hl. Maria - eventuell ein Hinweis auf ein Patrozinium der Kirche in früheren Zeiten? Weiterhin bemerkenswert ist die Zier aus Zinnenfries und Spitzbogenfries, welche so vor allem im Umfeld der Nürnberger Gußhütte zu finden ist - möglicherweise hatte der Gießer nach Nürnberg und hat von dort die Forrmen der Zier mitgebracht? Untypisch für ein Nürnberger Erzeugnis ist allerdings die Inschrift in für die Zeit sehr modernen lateinischen Capitalis, die Nürnberger verwendeten vor allem Minuskeln - interessant ist die Glocke dadurch aber allemal! Die große Glocke wurde 1652 von Simon Wildt, einem Gießer aus Halle aus dem Umfeld von Becker und J.J. Hofmann aus Halle, in einer verkürzten Rippe gegossen und zeugt mit ihren reichen Inschriften an Schulter, Flanke und Schlag von einer gewissen Bedeutung des Gusses. Herrausragend an dieser Glocke ist eine sehr feine und qualitätvolle Darstellung des Golgatha mit Jesus am Kreuz und Johannes sowie Maria in kniender Position auf der Rückseite an der Flanke. Man beachte zudem die außergewöhnliche Klöppelform der großen Glocke! Beide Instrumente hängen an barocken Holzjochen, kranken jedoch an ihren unagemessenen Klöppeln samt suboptimaler Aufhängung, sodass beide Glocken nur einseitig anschlagen - angesichts der sehr geringen Nutzung der Kirche und der Glocken ist dies jedoch wahrscheinlich verschmerzbar...
Klangbeispiele und Eindrücke:
https://www.youtube.com/watch?v=wj3JFtXnJu8

Dank an Johannes Richter!

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