Sankt Martin

Die Pfarrkirche Sankt Martin

Unsere Kirche steht im westlichen Teil des Ortes, früher war das der Markt, jetzt heißt der Platz „Am Plan“.

Über den Baubeginn und über den Baustil ist nichts Genaues bekannt, da die Akten, durch einen Brand, nur bis ins Jahr 1702 zurückreichen.

Am Ältesten ist wohl der untere Teil des Turmes, der nach Süden einen rundbogenartigen Eingang aufweist.



Adressdaten


Daten & Fakten


  • Baujahr: um 1000, später erweitert
  • Besonderheiten: barocke Stuckdecke
  • Öffnungszeiten Sommer: täglich 8.30-18.00 Uhr, Führungen auf Anfrage
  • Öffnungszeiten Winter: nach Anfrage

Profil


verlässlich geöffnet - Wir führen das Signet "Verlässlich geöffnete Kirche". Radwegekirche mit Signet - Wir führen das Signet "Radwegekirche". Gottesdienst - Bei uns findet regelmäßig Gottesdienst statt. Gebetsort - Wir haben einen besonderen Gebetsort (z.B. Lichterbaum, Kapelle, Kreuzgang o.Ä.). Führungen - Wir bieten auf Nachfrage Führungen an. Kirchenführer - Wir bieten einen gedruckten Kirchenführer. Veranstaltungen - Wir führen besondere Veranstaltungen durch (z.B. Konzerte oder Ausstellungen). Trinkwasser - Bei uns gibt es Trinkwasser in der Nähe. Toilette - Im Umkreis von 100m finden Sie eine öffentliche Toilette.

Beschreibung


In einem Bericht von 1902 steht:

„Die hiesige Dorfkirche,…nach dem westlichen Ende des Dorfes zu als in seiner Mitte gelegen, ist ein stattliches Gebäude von ca. 30 m Länge, einschließlich Turm ca.10,5 m breit und entsprechender Höhe; der Turm ist um 1,40 m schmaler; der First des Daches ragt über die Höhe der Turmschallöcher hinaus.
Je 4 Strebpfeiler, am Erdboden 2,12 m in den Kirchhof hineinragend, stützen die südliche und nördliche Mauer des Kirchenschiffes.“

In einer anderen Beschreibung ist zu lesen:

“Neuerer Stil: der Turm ist etwa 60 Ellen hoch, stammt aus dem 16. Jahrhundert, unansehnlich, hat eiserne Uhr nebst Schlagstock, die im Freien hängt.“

Einer nennt den etwa 30 m hohen Kirchturm unansehnlich, der andere findet ihn schön. Eines steht jedoch fest:

Ohne den zum Himmel ragenden Turm würde dem Ortsbild von Memleben etwas Entscheidendes fehlen!

Der Altar

Er stammt aus der vorreformatorischen Zeit.

Die große Sandsteinplatte trägt noch an allen vier Ecken und in der Mitte den heiligen Ölfleck und das Weihekreuz.

Die Altarplatte trug einst einen Altarschrein, die Holzreste sind im Stein noch zu sehen.

Die Kanzel im Barockstil befindet sich über dem Altar und ist von hölzernem Schnitzwerk.

Der Schalldeckel der Kanzel birgt das Sinnbild des heiligen Geistes, die Taube,
noch höher ein ineinander geschlungenes J.G., wahrscheinlich der Namenszug des Stifters der Kanzel,
am allerhöchsten aber das Gottesauge.

Das Gestühl

Das Gestühl hat ein paar Jahrhunderte eine besondere Rolle gespielt. Jeder wollte seinen festen Platz in der Kirche haben. Etwas von dieser Entwicklung spiegelt sich auch in der Kirche Memleben ab. Die Kirche bot nicht mehr genug Platz, so wurde sie höher gebaut und eine Empore eingezogen. Später kam eine zweite dazu. Neue Männerstühle wurden hinter die vorigen gesetzt, eine neue Kirchenstuhlordnung war 1828 notwendig.
1833:
Die Zahl der Männersitze auf der neuen, oberen Empore ist 30,die Zahl der Männersitze auf der unteren Empore ist 44.
1852:
Die Frauen im Schiff haben 144 Sitze, die zwei Emporen enthalten 94 Sitze für die Mannspersonen.
1902:
Die Emporen haben 96 Haupt- und verschiedene Nebensitze. Die Frauenstühle haben 144 Sitze,
dazu kommt im Altarraum auf der Nordseite der geschlossene Stuhl für den Pächter und den Förster des Klostergutes und für die Familie des Pfarrers. Auf der Südseite die geschlossene Sakristei und daneben ein offener Stuhl für die Kirchenältesten bei feierlichen Gelegenheiten und für Festgäste bei Hochzeiten.
1914
Wird gefragt: „In welcher Weise sind die Kirchenstuhlangelegenheiten geordnet?“

Geantwortet wird: „ In den letzten Jahren sind die Kirchenstuhllösezettel nicht mehr begehrt und ausgestellt worden. Die Kirche ist so groß, dass jeder darin gut Platz findet.
Irgendwelche Streitigkeiten sind deswegen noch nie vorgekommen.“

Die Glocken

Zum Inventar der Dorfkirche Memleben gehören um 1575 drei Glocken. Von diesen Glocken ist keine in unsere Zeit gekommen.
Die nächstälteste Glocke wurde 1616 gegossen und überstand den 30jährigen Krieg, nicht aber den 2. Weltkrieg.
Nach der Matrikel vom Jahre 1836 besaß die Gemeinde wieder drei Glocken.

Die jüngere Glockengeschichte stellt sich wie folgt dar:
Die große Glocke stammt aus dem Jahr 1797. Sie ist von der damaligen Glockengießerei Gebrüder Ulrich in Laucha in Bronze gegossen, hat die ungewöhnliche Form , deren unterer Rand 121 cm Durchmesser beträgt,
ist 1000 kg schwer und hat den Ton „e“.
Ihre Inschrift Lautet:
„VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM“.
auf Deutsch:

„ Gottes Wort bleibt in Ewigkeit“

Es gab zwei weitere Glocken, eine mittlere die im Jahre 1616 in Erfurt gegossen wurde. Sie wog 550 kg und war mit männlichen Gestalten verziert.
Die kleine Glocke wurde im Jahre 1908 aus einer anderen Glocke umgegossen. Ihr Gewicht soll 210 kg betragen haben und ihre Inschrift lautete:
„Gott segne und behüte die Gemeinde Memleben“.

1942 mussten die kleine und die mittlere Glocke abgeliefert werden.

Zurück blieb bis heute die Läuteglocke von 1797.

Die Orgel

Der Orgelmacher Mocker aus Roßleben baute um 1728 eine Orgel für die Kirche Memleben. Ob diese Orgel schon eine Vorgängerin hatte, war nicht festzustellen.
Bereits 1836 war diese Orgel sehr schadhaft. In einem Urteil von 1867 heißt es:
„Die alte Orgel entspricht den zeitgemäßen Ansprüchen nicht mehr.“
Der Orgelbauer Gerhardt aus Merseburg wurde mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragt und bekam dafür 900 Taler.
Die Abnahme der neuen Orgel erfolgt im Mai 1870. Musikdirektor Seiffert urteilt wie folgt:
„Nachdem ich sämtliche Stimmen Ton für Ton untersucht, habe ich gefunden, dass jeder gleichmäßig und bestimmt erklingt, ein Beweis für die sorgfältige und genaue Anfertigung der Pfeifen. …..wünschenswert ist es, dass das Werk von Zeit zu Zeit durchgestimmt wird, um es in gutem Zustand zu erhalten…….
…..Möge es beitragen, Herrn Gebhardt, dessen Ruf auch schon übers Meer gedrungen ist, in hiesiger Gegend immer mehr Anerkennung zu verschaffen, damit er in seinem Streben nicht ermüde, Gemeinden, die nicht über große Mittel verfügen können, wie es hier der Fall war, würdige Kunstwerke zu verschaffen. Seiffert Musikdirektor“

1917
Die Orgelprospektpfeifen werden ausgebaut und zu Kriegszwecken abgeliefert
1925
Einweihung neuer Orgelprospektpfeifen
1995
Die Orgel ist nicht mehr bespielbar, eine Restaurierung unbedingt erforderlich

Gottesdienstpraxis und Sitten

Aus der Gottesdienstordnung und den Sitten erfahren wir erstmals im Jahre 1575.

Einen nächsten Einblick gibt die Kirchenvisitation 1860.
“Der Hauptgottesdienst am Sonntage beginnt um 9 Uhr….
Metten werden gehalten zu Ostern früh ½ 5, Weihnachten früh ½ 6 Uhr. Es wird nach dem Gesang eines kurzen Liedes eine biblische Betrachtung verlesen…
..Taufe fast lediglich in der Kirche wenige zu Hause. Confirmation, Palmsonntag früh 9 Uhr.
Beichte Sonntag früh 8 Uhr…
… Trauungen sind durchgehens in der Kirche, wenn es sein kann, immer an dem Tage, wo die Brautleute zum letzten mal aufgeboten worden sind.
Beerdigungen am Grabe.“

1914 gibt Pfarrer Happich folgenden Visitationsbericht:

„Die Bauernfrauen gehen noch ziemlich regelmäßig zur Kirche, an ihren Männern mangelt es besonders im Sommerhalbjahr (Erntezeit).
Es gibt nur wenige Häuser die regelmäßig jeden Sonntag ein Glied zur Kirche schicken. Oberamtmann und Förster lassen sich nur an den Festtagen blicken. Die Schachtarbeiter fehlen fast ganz.
Im letzten Jahr hat der Kirchenbesuch um 560 Personen zugenommen…
.. Die Anzahl der evangelischen Einwohner beträgt 600 Personen.
Hauptgottesdienst im Sommer um 9 Uhr im Winter um 10 Uhr, in der Erntebetstunde zu Beginn der Ernte um 5 Uhr- morgens sind die Männer zahlreich vertreten.

Geschichte des Ablaßfestes

Memleben war ein Wallfahrtsort.
Wer zum Kloster Memleben an besonderen Festtagen pilgerte, bekam Ablaß.
Noch heute besitzt Memleben das Marktrecht und am 2. Sonntag nach Pfingsten feiern wir unser „Ablaßfest“, das dem Thüringer Kirchweihfest entspricht, im Volksmund genannt
„Mämlewer Abbels“

Hinweise aus dem Pfarrarchiv:
1836
Die herkömmlichen Schulferien sind, außer den im Amtsblatt 1824 aufgeführten gesetzlichen folgende:
„Zum Kirchweihfest, der Kirchweihmontag und der darauffolgende Dienstag. Der Schulze Bieling zu Memleben benachrichtigte 1852 den Pastor, es liegt im Interesse der Gemeindekasse und ist zur Belebung des Verkehrs wichtig, dass der Ablaßmarkt wie dies mit Ausnahme des vorigen Jahres von jeher geschehen, bereits Sonntags nach beendigtem Gottesdienst seinen Anfang nehmen darf.“

Der Ablaßmarkt ist von jeher als Volksfest betrachtet worden und weil gerade sonntags ein sehr lebhafter Verkehr stattzufinden pflegt, befürwortet der Pastor den Antrag des Schulzen.

Bis in die jetzige Zeit ist Ablaß in Memleben ein Volksfest.
In der Kirche war ab 1987 jedes Jahr eine Ausstellung zum Ablaßfest.

Der Förderverein der Kirche Sankt Martin möchte an diese Geschichte anknüpfen und setzt diese Tradition fort.

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