Feldsteinkirche Groß Bierstedt

Herzlich Willkommen in der Feldsteinkirche Groß Bierstedt.
Am Südostrand des einstigen Rundplatzdorfes unter großen Eichen ist die über 700 Jahre alte Kirche das mit Abstand älteste Gebäude im Ort. Ein Kirchturm fehlt ebenso wie eine elektronische Läuteanlage. Das Läuten zu Gottesdiensten, Taufen oder Beerdigungen geschieht hier noch per Hand mit einer Glocke, die außen unter einem kleinen Dach an der Ostseite befestigt ist. In den Monaten April bis September ist die Kirche zu Einkehr, Besichtigung und Gebet geöffnet. Ein Freundeskreis aus dem Ort sorgt dafür und kümmert sich um frischen Blumenschmuck. Groß Bierstedt zählt rund 100 Einwohner. Klein Bierstedt mit knapp 40 Einwohnern und einer eigenen Kirche ist in Sichtweite und nur 800 m entfernt.



Adressdaten


Daten & Fakten


  • Baujahr: um 1300
  • Baustile: spätmittelalterlicher Rechtecksaal
  • Öffnungszeiten Sommer: April bis September von 10.00-17.00 Uhr
    Führungen zu erfragen bei:
    - Wolfgang Praast Tel. 039007/ 733
    - Christel Schwerin Tel. 039007/789
  • Öffnungszeiten Winter: keine

Profil


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Beschreibung


Am 25. Februar 1304 beurkundete Bischof Friedrich von Verden, dass er die Kirchen in Wendisch- und Deutsch-Bierstedt als Filialkirchen von Rohrberg geweiht hatte und der Rohrberger Priester einmal wöchentlich Messen in ihnen feiern sollte.
Dies ist die Gründungsurkunde beider Dorfkirchen, die bislang auch immer als Baudatum der Kirchen interpretiert wurde und das damit zugleich das einzige Fixdatum der spätmittelalterlichen Rechtecksäle in der Region darstellt.
Ungewöhnlicherweise ist Groß Bierstedt mit Wendisch Bierstedt identisch, während Klein Bierstedt auch Deutsch Bierstedt genannt wurde. Beide Dörfer umfassten jeweils fünf Ackerhöfe; jedoch gab es in Groß Bierstedt noch elf Halbspänner und drei Grundbesitzer.
1281 wurde ,,Berstedt" erwähnt, als die Markgrafen vom Kloster Diesdorf Einnahmen aus der Mühle im Dorf verliehen, wobei offenbar Groß Bierstedt gemeint war.
Die Kirche wurde aus unregelmäßig und regellos versetzten Feldsteinen erbaut.
Nur an der Ostseite sind zwei schmale Lanzettfenster mit stumpf-spitzbogigem Abschluss erhalten.
Die gegenwärtigen drei Fenster der Nord- sowie die zwei Fenster der Südseite stammen aus dem Barock.
An der Nord- und Südseite sind jedoch im westlichen Bereich jeweils ein vermauertes älteres Fenster sichtbar, die belegen, dass auch die Seitenfenster denen der Ostseite geglichen haben. Der einzige Zugang der Kirche mit einer rundbogigen Backsteineinfassung liegt an der Südseite und scheint bauzeitlich zu sein.
Der Innenraum hat eine flache Decke.
Die Glocke von 1894 trägt die Inschrift ,,Allein Gott in der Höh sei Ehr".
Die Ausstattung der Kirche (Emporen, Gestühl, Kanzel, Altar und Taufe) stammt komplett aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Für die Emporen ist ein konkretes Weihedatum vermerkt: 22. September 1668.

Zur Geschichte von Ort und Kirche ist vermerkt:
1375 umfasste die Flur von Wendischen Bierstede 18 Hufen.
1413 ist überliefert: ,,die Magdeburger ,pochten Kirche und Kirchhof`´, raubten das Vieh und schlugen 2 Mann tot."
1541 war das Dorf immer noch Filia von Rohrberg, verfügte über einen Kelch und ein Pacem.
1551 hieß es dann:,,hat nur ein klein Kapellchen und nicht dazu noch darein."
1579 wurde notiert ,,hat einen Kelch"
Der Name Berstedt wird von Jürgen Udolph in Zusammenhang mit den Namen Bierbergen bei Hohenhameln, Barfelde bei Hildesheim oder Barbecke bei Lengede gesehen. Er basiert auf einem germanischen Wort, welches ,,ausschließlich im englischen bezeugt" ist.
Dieses altenglische Wort ,,bearu" bedeutet ,,Wald" und zwar hauptsächlich fruchttragender Wald, also Eich- und Buchenwald.
(Zusammenfassung einer Recherche von Dr. Matthias Friske, Salzwedel)