Einzigartige Musikkultur von Bauern und Handwerkern wird gefeiert
Thüringer Adjuvantentage im Ilmkreis als Musikfest für alle Generationen
Ute Lieschke, 0163-7082042
Zu den 17. Thüringer Adjuvantentagen wird vom 12. bis 14. Juni in den Ilm-Kreis eingeladen. In Großbreitenbach, Böhlen, Gillersdorf, Möhrenbach, Neustadt am Rennsteig, Langewiesen und Gehren wird ein Fest der Generationen gefeiert, auf dem Programm stehen unter anderem Konzerte, ein Theaterstück, Kirchen- und Orgelerkundungen, ein Festgottesdienst, Vorträge, Ausstellungen, Kinder-Angebote und das gemeinsame Singen. Für die Festkonzerte am 13. und 14. Juni gibt es Karten im Ticketshop Thüringen (https://www.ticketshop-thueringen.de/?s=adjuvantentage), alle anderen Veranstaltungen können kostenlos besucht werden. Das Programm im Internet: https://adjuvantentage.de/programm/.
Das Musikfest findet jedes Jahr in einer anderen Region statt, um an eine einzigartige Musikkultur auf den Thüringer Dörfern des 16. bis 18. Jahrhunderts zu erinnern: Bauern und Handwerker musizierten als Adjuvanten (Gehilfen) der Kantoren bei Gottesdiensten und Festen. So entstanden Adjuvantenchöre, aus denen die heutigen Gemeinde- und Kirchenchöre hervorgegangen sind.
Die überlieferten Notensammlungen der Adjuvanten sind bedeutend. Erst 2025 wurde die Sammlung aus Großbreitenbach mit mehr als 500 Stücken, die bis zu 250 Jahre alte sind, zur sachgerechten Lagerung und wissenschaftlichen Erschließung in das Thüringische Landesmusikarchiv nach Weimar gebracht. Stücke daraus erklingen zum Festkonzert am 14. Juni in Großbreitenbach mit den international renommierten Alte-Musik-Ensembles Ælbgut und Capella Jenensis. Am 13. Juni singt um 19.30 Uhr in der Stadtkirche Gehren das Vokalensemble Weimar unter der Leitung von Johannes Kleinjung Musik von Johann Michael Bach, dem »Gehrener Bach«.
„An allen Orten finden sich Spuren einer bewegten Orgel- und Adjuvantengeschichte – man verkaufte sich gegenseitig etwa die Orgel oder tauschte teure Musikstücke aus. In Vorträgen und einer Broschüre erläutern Experten ihre neuesten Recherchen zu diesen Noten sowie zu Orgeln, Instrumentenbauern und Kantoren der Region. Alle, die Musik lieben und Geschichte(n) spannend finden, sind eingeladen, sich mit auf die klingende Spurensuche zu begeben – vor Ort in der Region und mit ,ihrer‘ Musik“, heißt es in der Ankündigung. „Hier komponierten Kantoren und Schulmeister selbst und besorgten sich beliebte Stücke aus ganz Europa. Sie lehrten die Kinder Singen und Instrumentenspiel. Die Guten wurden Adjuvanten und brachten neben dem Alltag in Landwirtschaft und Handwerk richtig anspruchsvolle Werke mit mehrstimmigem Chor, Solo-Arien und groß besetztem Orchester zur Aufführung. Hier stand die Wiege einer europaweit einzigartige Musikkultur. Komponisten bis zu Johann Sebastian Bach sind in solchen Umgebungen aufgewachsen.“
Die Eröffnung der Adjuvantentage erfolgt am 12. Juni um 18.30 Uhr in Böhlen in der Kirche St. Anna mit Orgelspiel sowie Gesangs- und Instrumentalchören, darunter die Junkertaler Alphornbläser. Zu hören ist eine wiederentdeckte Motette des Großbreitenbacher Kantors Johann Andreas Michael Ludwig (1789–1857). Dazu gibt es ein Theaterstück, Kirchen- und Orgelgeschichten sowie ein Fest im Freien mit Abendliedersingen zum Abschluss.
Eine musikalische Kirchenführung mit Kostproben aus dem Musikleben der „Adjuvanten“ von heute, Vorstellung der Kirchen, Orgelgeschichten und Singen sowie Konzerte und Vorträge stehen am 13. Juni auf dem Programm. Ein Höhepunkt ist um 19.30 Uhr in der Stadtkirche Gehren ein Konzert. Das Programm dreht sich um Johann Michael Bach, den Schwiegervater Johann Sebastian Bachs, der in Gehren als Organist und Komponist wirkte. Das Vokalensemble Weimar und Instrumentalisten unter Leitung von Johannes Kleinjung lassen die schönsten Chorwerke der weitverzweigten Bach-Familie erklingen.
Am Sonntag (14. Juni) beginnt 10 Uhr in der Trinitatiskirche in Großbreitenbach ein Festgottesdienst mit Werken aus dem Adjuvantenarchiv des Ortes. 11.30 Uhr schließt sich eine Kirchenführung an. Von 12 bis 16.30 Uhr wird im Thüringer-Wald-Kreativ-Museum ein Adjuvantenfest mit viel Musk und Vorträgen gefeiert. Unter anderem wird „Experimentelle Archäologie“ an historischen Hammerflügeln demonstriert. Um 17 Uhr folgt in der Trinitatiskirche das Festkonzert „Schätze aus dem Adjuvantenarchiv“: Die international renommierten Alte-Musik-Ensembles, das Vokalquartett Ælbgut und Capella Jenensis, intonieren vergessene Werke aus dem 17. und 18. Jahrhundert, wie die Adjuvanten sie einst liebten und an diesem Ort begeistert sangen und spielten. Dazu zeigen Thüringer Musik-Archive drei originale Handschriften von Werken aus dem Großbreitenbacher Adjuvantenarchiv.
Hintergrund:
Die Thüringer Adjuvantentage hat der Verein Academia Musicalis Thuringiae (Sitz in Weimar) im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Sie werden mit den Kirchengemeinden, dem Landesmusikarchiv und der Musikhochschule Weimar in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Kantoren, Chören, Ensembles, Künstlern und Vereinen vorbereitet. Alle Generationen können mitwirken und so die Musikkultur ihrer Vorfahren erkunden und aufleben lassen. Hintergrund ist die europaweit wohl einzigartige reiche Musikkultur auf den Thüringer Dörfern des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die Kantoren komponierten, kümmerten sich um das international aktuelle Repertoire und lehrten die Kinder Singen und Instrumentenspiel. So wuchs ein Großteil der Bevölkerung zu „Adjuvanten“ (lat. adjuvare - helfen) heran, so dass Bauern und Handwerker neben ihrem Broterwerb in den Gottesdiensten und bei dörflichen Festen als Sänger und Instrumentalisten wirkten. Sie müssen erstaunlich gut qualifiziert gewesen sein, denn das Repertoire kann man als Weltspitze bezeichnen: Kantaten, Motetten, Passionen und sogar Oratorien, unter anderem von Heinrich Schütz und Georg Philipp Telemann wurden in hoher Qualität aufgeführt. Es bildeten sich die Adjuvantenchöre, aus denen die heutigen Gemeinde- und Kirchenchöre hervorgegangen sind.
Weitere Informationen im Internet: https://adjuvantentage.de
Die Thüringer Adjuvantentage im Überblick (Auswahl):
Freitag, 12. Juni
18.30 Uhr, Böhlen, Kirche St. Anna
Festliche Eröffnung mit Posaunenchor Großbreitenbach, Chorgemeinschaft Böhlen und Großbreitenbach, Flötengruppe Böhlen, Junkertaler Alphornbläser, Orgelspiel, der von einem Projektchor aufgeführten wiederentdeckten Motette „Gott ist getreu“ des in Langewiesen gebürtigen Großbreitenbacher Kantors Johann Andreas Michael Ludwig (1789–1857), Theaterstückchen, Vorstellung der Kirche, Orgelgeschichten, Segen und Abendliedersingen mit Schifferklavier
Samstag, 13. Juni
9-14.30 Uhr, Gillersdorf, Möhrenbach, Neustadt am Rennsteig
Musik- und Orgeltour mit Kostproben aus dem Musikleben der „Adjuvanten“ von heute, Vorstellung der Kirchen, Orgelgeschichten, Singen, Lokaltypischem fürs leibliche Wohl
15-17.30 Uhr, Langewiesen, Liebfrauenkirche und Kirchgarten
Kaffee mit Musik und Orgelgeschichten
17-19.30 Uhr, Gehren, Turm der Stadtkirche und Platz davor sowie Stadt- und Schlossmuseum
Serenade mit Rahmenprogramm
18.15 Uhr, Gehren, Stadtkirche
Familie Bach und mehr Musikgeschichte in und um Gehren
19.30 Uhr, Gehren, Stadtkirche
Chorkonzert mit Musik rund um den »Gehrener Bach« Johann Michael Bach, Schwiegervater von Johann Sebastian Bach mit dem Vokalensemble Weimar und Instrumentalisten unter Leitung von Johannes Kleinjung
Sonntag, 14. Juni
Großbreitenbach
10 Uhr, Trinitatiskirche
Fest- und Regionalgottesdienst mit Werken aus dem Adjuvantenarchiv Großbreitenbach mit Kantatenchor Arnstadt, Regionalkantor Jörg Reddin, Akustik-Duo Almut Köhler & Matthias Schubert
12–16.30 Uhr, Thüringer Wald-Kreativ Museum
Adjuvantenfest mit Musik und Vorträgen vom Forum Thüringische Musikgeschichte
• 13.45 Uhr: Vortrag „Adjuvantenmusik und kulturelle Identität“
• 15.15 Uhr: Entlarvung des „schönen Klangs“ – „Experimentelle Archäologie“ an historischen Hammerflügeln
17 Uhr, Trinitatiskirche
Festkonzert „Schätze aus dem Adjuvantenarchiv“ mit den international renommierten Alte-Musik-Ensembles Ælbgut und Capella Jenensis mit Werken aus dem 17. und 18. Jahrhundert
Hintergrund:
Die Thüringer Adjuvantentage hat der Verein Academia Musicalis Thuringiae (Sitz in Weimar) im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Sie werden mit den Kirchengemeinden, dem Landesmusikarchiv und der Musikhochschule Weimar in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Kantoren, Chören, Ensembles, Künstlern und Vereinen vorbereitet. Alle Generationen können mitwirken und so die Musikkultur ihrer Vorfahren erkunden und aufleben lassen. Hintergrund ist die europaweit wohl einzigartige reiche Musikkultur auf den Thüringer Dörfern des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die Kantoren komponierten, kümmerten sich um das international aktuelle Repertoire und lehrten die Kinder Singen und Instrumentenspiel. So wuchs ein Großteil der Bevölkerung zu „Adjuvanten“ (lat. adjuvare - helfen) heran, so dass Bauern und Handwerker neben ihrem Broterwerb in den Gottesdiensten und bei dörflichen Festen als Sänger und Instrumentalisten wirkten. Sie müssen erstaunlich gut qualifiziert gewesen sein, denn das Repertoire kann man als Weltspitze bezeichnen: Kantaten, Motetten, Passionen und sogar Oratorien, unter anderem von Heinrich Schütz und Georg Philipp Telemann wurden in hoher Qualität aufgeführt. Es bildeten sich die Adjuvantenchöre, aus denen die heutigen Gemeinde- und Kirchenchöre hervorgegangen sind.
Ute Lieschke, 0163-7082042