Synoden-Bericht zur Prävention sexualisierter Gewalt
Steigende Nachfragen auch von nichtkirchlichen Stellen
Friedemann Kahl, 0151-59128575, Susanne Sobko, 0162-2048755
Zur Tagung der Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hielt Diakonin Ivonne Stam von der Fachstelle Prävention sexualisierter Gewalt der EKM am gestrigen Abend (20. November) einen Zwischenbericht der Arbeit der Fachstelle zum Umgang mit sexualisierter Gewalt. Demnach steigen die Beratungsgespräche zu Verdachtsfällen, Grenzverletzungen oder manifesten Übergriffen ebenso wie die Anfragen zur Prävention.
Laut Ivonne Stam führt die EKM die einzige Fachstelle in Mitteldeutschland, die für verschiedene Zielgruppen ansprechbar ist – also für direkt Betroffene sexualisierter Gewalt ebenso wie für Institutionen, Träger, Verantwortliche und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Bereich der Prävention und Intervention. „Uns erreichen nicht nur Anfragen aus kirchlichen sondern zunehmend auch aus nichtkirchlichen Kontexten, von Vereinen, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Bildungsträgern, der Bundeswehr, Kommunen und vielen weiteren Stellen. Die Nachfrage zeigt deutlich: Es gibt einen Bedarf – und er wächst“, so Stam.
Zur Prävention betonte sie, dass diese Arbeit nicht nur bedeute, Wissen zu vermitteln, sondern Strukturen zu schaffen, die dauerhaft schützen, und vor allem zu sensibilisieren. Bisher hätten etwa dreiviertel der Kirchenkreise in der Landeskirche begonnen, ihre Prävention umzusetzen. Das umfasse sowohl das Erarbeiten von Schutzkonzepten als auch das Einführen von Verhaltensrichtlinien, Risikoanalysen und Fortbildungsprogramme. Spitzenreiter seien die evangelischen Studierendengemeinden mit vollständig ausgearbeiteten und implementierten Schutzkonzepten. Auch die Seelsorgebereiche engagierten sich mit großem Verantwortungsbewusstsein. „Diese Beispiele zeigen: Prävention gelingt, wenn Verantwortliche konsequent handeln, sich fachlich begleiten lassen und bereit sind, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen“, betont die Beraterin.
Auch der Bedarf an fachlich fundierter Intervention sei weiterhin hoch und die Zahl der Beratungsgespräche zu Verdachtsfällen, Grenzverletzungen oder manifesten Übergriffen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „Das ist ein zweischneidiges Signal: Einerseits zeigt es, dass Menschen sich zunehmend trauen, Hinweise zu melden. Andererseits sehen wir, dass das Problem weiterhin real und präsent ist“, betonte die Diakonin. Zu den Aufgaben der Fachstelle gehöre es, Institutionen und Verantwortliche dabei zu unterstützen, Gefährdungssituationen zu erkennen, richtige Schritte einzuleiten, Verfahrenswege einzuhalten und die Rechte und Bedürfnisse Betroffener zu schützen. „Wir sind eine betroffenenorientierte Landeskirche“, betonte Ivonne Stam. Und: „Aufarbeitung darf niemals über die Köpfe derer hinweg erfolgen, die betroffen sind“.
Als Angebote für Betroffene nannte sie Wochenenden für Austausch, Selbststärkung und Vernetzung und ein Forum für Dialog, Kritik, Empfehlungen und Rückmeldungen. Anstehend sei die Wahl eines Betroffenenbeirates als legitimierte Stimme der Betroffenenperspektive in kirchlichen Entscheidungsprozessen.
Ivonne Stam: „Die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und braucht stabile Strukturen, kirchenpolitisches Interesse und das Bewusstsein, dass Prävention, Intervention und Aufarbeitung dauerhaft getragen werden müssen. Und sie braucht eine Kultur der Achtsamkeit“.
Hintergrund:
Die Landessynode der EKM besteht aus 84 gewählten und berufenen sowie solchen Mitgliedern, die ihr von Amts wegen angehören. Sie verkörpert die Einheit und Vielfalt der Gemeinden, Kirchenkreise, Dienste, Einrichtungen und Werke im Bereich der Landeskirche. Die Landessynode tritt in der Regel zweimal im Jahr zu mehrtägigen, öffentlichen Sitzungen zusammen.
Hinweis:
Die Landessynode tagt im Großen Saal des Landeskirchenamtes der EKM in Erfurt (Michaelisstraße 39) und ist öffentlich. Einen Live-Stream der Synodentagung gibt es unter www.ekmd.de/livestream. Den Ablaufplan sowie sämtliche Unterlagen zu der Synodentagung finden Sie unter: www.ekmd.de/synode
Friedemann Kahl, 0151-59128575, Susanne Sobko, 0162-2048755