MIT-MENSCHLICH IN THÜRINGEN - Gemeinsames soziales Wort zum Umgang mit Flüchtlingen

Foto: epd-bild / Lukas Barth | Eine Flüchtlingsfrau sitzt mit ihrem Kind am Hauptbahnhof in München. Etwa 1.800 Fluechtlingen sind Anfang September mit Zügen aus Budapest dort angekommen.

Online-Redaktion | 04.09.2015

Gemeinsames soziales Wort zum Umgang mit Flüchtlingen

  • des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
  • der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM),
  • der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen,
  • des Katholischen Bistums Erfurt und
  • des Verbandes der Wirtschaft Thüringens

Bedingt durch Krisen und Kriege im Nahen Osten und in einigen Staaten Afrikas ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit auf über 60 Millionen gestiegen. Auch in Deutschland und damit auch in Thüringen suchen immer mehr Menschen Schutz. Es ist kaum zu erwarten, dass sich diese Situation in naher Zukunft ändern wird.

Viele Flüchtlinge sind aus politischen und religiösen Gründen verfolgt, wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Ethnie vertrieben oder Kriegen und Bürgerkriegen entkommen. Ein großer Teil der Flüchtlinge kommt aus dem Irak, Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Sudan und Südsudan sowie aus Kongo, Nigeria und Myanmar.

Die meisten Flüchtlinge suchen Schutz im eigenen Land oder flüchten in Nachbarländer wie Jordanien, Libanon oder Türkei. Diese Länder sind an die Grenze der Aufnahmefähigkeit gekommen: Allein im Libanon ist jeder Vierte ein Flüchtling.

Die Würde des Menschen begründet sich aus seiner Geschöpflichkeit, seinem Menschsein. Diese Würde ist unantastbar und unteilbar. Das verlangt, dass das Recht auf Leben unbedingt gesichert und geschützt werden muss. Wenn der Mensch an Leib und Leben bedroht ist, hat er Anspruch auf Schutz. Schutz von Flüchtlingen bleibt unbestritten eine rechtliche und moralische Verpflichtung für Staat und Gesellschaft.

Die menschenwürdige Aufnahme und Begleitung von Flüchtlingen kann nur mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Engagement vieler Menschen gelingen und nicht allein nur durch politische Maßnahmen bewältigt werden. Wir stellen in Thüringen mit großer Dankbarkeit fest: Es gibt eine Vielzahl ehrenamtlicher Initiativen von Bürgern, Vereinen, Verbänden, Sozialpartnern und Religionsgemeinschaften, die Flüchtlinge in ihrem Alltag unterstützen. Diese Unterstützung ist ein wertvolles Gut, das hohe gesellschaftliche Anerkennung verdient, geschützt und weiterentwickelt werden muss.

Damit Flüchtlinge in unserem Land nicht neuen Ängsten ausgesetzt werden und zivilgesellschaftliches Engagement weiter wachsen kann, möchten wir Mut machen, populistischen, rechtsextremen, menschenfeindlichen Parolen zu widersprechen. Wer gegen Flüchtlinge hetzt oder gar Gewalt anwendet, der muss mit dem deutlichen Widerspruch und dem entschlossenen Widerstand der Verfasser und Unterzeichner dieses gemeinsamen Wortes rechnen.

Es gelingt nicht immer, als richtig und notwendig erkannte Entscheidungen im Umgang mit Flüchtlingen so zu kommunizieren, dass sie bei den Menschen vor Ort Zustimmung erfahren. Aus unserer Erfahrung bedürfen Ängste und Vorbehalte innerhalb der Bevölkerung des Gespräches. Auch durch die direkten Begegnungen und Erfahrungen mit Flüchtlingen werden Vorurteile und Ängste abgebaut.

Politiker und Politikerinnen in unserem Land stehen bei der Aufgabe einer menschenwürdigen Aufnahme von Flüchtlingen vor großen Herausforderungen. Wir erwarten einen parteiübergreifenden Konsens darüber, dass das Flüchtlingsthema keine parteipolitische Profilierung und Instrumentalisierung erfährt. Die Verfasser und Unterzeichner bieten den demokratischen Parteien beim Umgang mit Flüchtlingen eine konstruktive Zusammenarbeit an und sind gleichzeitig bereit, Land und Kommunen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen. Sie stehen hinter allen Bemühungen, die zu einer schnelleren Klarheit über den weiteren Weg der hier in Thüringen angekommenen Flüchtlinge führen. Darüber hinaus wird das Anliegen einer gerechten Verteilung der Flüchtlinge bzw. der Kosten innerhalb der Europäischen Union mitgetragen.

Die Medien haben mit ihrer Berichterstattung über den Umgang mit Flüchtlingen eine hohe Verantwortung. Ihre ausgewogene und differenzierte Berichterstattung trägt dazu bei, dass Ressentiments gegen Menschen in Notsituationen abgebaut werden und die Offenheit unentschlossener Bürger für die Not des Flüchtlings und des Fremden wachsen kann. Die meinungsbildende Kraft von Sprache und Bildern sind beim Flüchtlingsthema eine besondere Herausforderung.

Flüchtlinge sind in Thüringen willkommen. Zuallererst wegen ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit und auch, weil Thüringen Fachkräfte braucht. Deutschland braucht Zuwanderung, wenn unsere Sozialsysteme auch künftig funktionieren sollen. Eine erfolgreiche gesellschaftliche Integration gelingt nur durch die Integration in den Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen sind bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen. Deshalb begrüßen wir die verstärkte Unterstützung und Förderung der Flüchtlinge durch die Bundesagentur für Arbeit. Damit noch mehr geflüchtete Menschen schnell die Möglichkeit bekommen, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, müssen Regelungen vereinfacht und Förderinstrumente der Berufsausbildung für Geduldete und Asylsuchende mit hohen Bleiberechtsperspektiven geöffnet sowie Angebote zur Sprachförderung ausgebaut werden.

MIT-MENSCHLICH IN THÜRINGEN: Alle Bürger und Bürgerinnen sollten sich als Anwalt der Menschlichkeit gegenüber den Flüchtlingen sehen. Die Unterzeichner nehmen dabei zugleich die Sorgen der Menschen in unserem Land ernst. Sie möchten dazu beitragen Ängste abzubauen, um Raum für das Gespräch zwischen verschiedenen Standpunkten zu schaffen.

MIT-MENSCHLICH IN THÜRINGEN: Unterstützen auch Sie alle Bemühungen für ein fremdenfreundliches , gewaltfreies und vorurteilsfreies Zusammenleben mit unseren Flüchtlingen in Thüringen.

  • Gabriele Kailing, Bezirksvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen
  • Sandro Witt, Vorsitzender der DGB Landesvertretung Thüringen
  • Ilse Junkermann, Landesbischöfin der EKM
  • Martina Klein, Oberkirchenrätin und Bildungsdezernentin der EKM
  • Prof. Dr. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
  • Juri Goldstein, Stellv. Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
  • Dr. Ulrich Neymeyr, Bischof des Katholischen Bistums Erfurt
  • Winfried Weinrich, Ordinariatsrat und Leiter des Katholischen Büros Thüringen
  • Hartmut Koch, Präsident des Verbandes der Wirtschaft Thüringens e.V.
  • Stephan Fauth, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Wirtschaft Thüringens e.V

Gemeinsames soziales Wort (PDF, 91 KB)


Foto: epd-bild / Lukas Barth | Eine Flüchtlingsfrau sitzt mit ihrem Kind am Hauptbahnhof in München. Etwa 1.800 Fluechtlingen sind Anfang September mit Zügen aus Budapest dort angekommen.



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Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Jesaja 55,12 Johannes 14,27

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