Scheidender Diakoniechef sieht drohende Spaltung der Gesellschaft

Pressefoto Diakonie Mitteldeutschland

epd | 14.06.2017

Erfurt (epd). Die Diakonie Mitteldeutschland warnt vor einer zunehmenden Gleichgültigkeit gegenüber Bedürftigen.

Es gebe inzwischen so etwas wie eine Akzeptanz von Armut, beklagte der scheidende Vorstandsvorsitzende des evangelischen Sozialverbandes, Eberhard Grüneberg. "Dabei hat sich die Zahl derer, die in prekäre Lebensverhältnisse geraten sind, in den letzten Jahren sogar erhöht", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zusätzlich zur Kinderarmut komme jetzt wegen der gebrochenen Erwerbsbiographien im Osten die Altersarmut hinzu. Grüneberg wird nach 17 Jahren an der Spitze des evangelischen Sozialverbandes am Freitag in Halle mit einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Im Grundsatz sei man in Mitteldeutschland durchaus zur Hilfe bereit. "In Notfällen oder in Katastrophen ist immer wieder zu sehen, die Menschen hier halten zusammen und unterstützen sich", sagte Grüneberg. Andererseits gebe es Situationen, in denen viel Polemik gegenüber Fremden oder bestimmten sozialen Gruppen laut werde: "Wir müssen aufpassen, dass da nicht ein Riss durch die Gesellschaft geht."

Grüneberg verteidigte die Kirchen gegen Vorwürfe, sich zu sehr in das politische Tagesgeschäft einzumischen. Menschen, die sich für andere einsetzten, müssten sich auch zu Wort melden, "sie müssen aktiv spürbar, erlebbar und hörbar sein. Das ist eine Aufgabe, die wir als Diakonie und Kirche in besonderer Weise für die Gesellschaft wahrnehmen müssen". Würden Entscheidungen nur noch nach Maßgabe ihrer Nützlichkeit getroffen, "würde unsere Gesellschaft erkalten", befürchtete er. In der Diakonie gehe es zunächst erst einmal um Barmherzigkeit, um Mitgefühl und Mitmenschlichkeit. "Das ist etwas, was aus dem Glauben erwächst. Ich möchte mir eine Gesellschaft ohne diese christliche Motivation nicht vorstellen", sagte Grüneberg.

Daraus folge auch, dass Menschen, die eine diakonische Einrichtung aufsuchen - egal ob das ein Alten- oder Pflegeheim, ein Krankenhaus oder ein Kindergarten sei - damit die Erwartung verbinden würden, "irgendwie auf Kirche zu treffen". Das funktioniere nur, "wenn dort Mitarbeiter sind, für die das eine Rolle spielt". Um dies erreichen zu können, gebe es vielfältige Angebote wie Bildungsinitiativen, Workshops oder Begrüßungskurse für neue Mitarbeiter, in denen über die Inhalte christlichen Glaubens gesprochen werde.

Nicht zuletzt dank dieser Anstrengungen bekenne sich nach wie vor fast die Hälfte aller Beschäftigten zum christlichen Glauben, während der Anteil der Kirchenmitglieder in der Gesellschaft sonst stetig abnehme. "Das Thema christliches Profil war für mich als Pfarrer immer eine Herzensangelegenheit", unterstrich Grüneberg.



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Bildnachweis: Pressefoto Diakonie Mitteldeutschland


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