Von Kirchturm zu Kirchturm

Sie heißen "Kirchenkreiskurier", "Von Kirchturm zu Kirchturm", manchmal gar "Die Christrose" oder "Himmel, Harz und Hirn" - zumeist aber einfach nur "Gemeindebrief" oder "Kirchenbote". Gemeindebriefe sind in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) - wie überhaupt in ganz Deutschland - ein zentrales Medium kirchlicher Kommunikation, über das bislang jedoch wenig Belastbares zu sagen war. Seit Kurzem können die Mutmaßungen - exemplarischen für die EKM, doch mit einiger Gültigkeit für ganz Ostdeutschland - endlich durch Zahlen untersetzt werden. In seiner an der Hochschule Mittweida abgelegten Masterarbeit hat der Medienwissenschaftler
Martin Gloge die Gemeindebriefe in der EKM unter die Lupe genommen und dabei wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die als Grundlage für eine Weiterarbeit mit diesem wichtigen Teilbereich evangelischer Öffentlichkeitsarbeit dienen können.Über Fragebogen, die zwischen November 2009 und Januar 2010 online und zum Teil mehrfach an die 38 Kirchenkreise der EKM verschickt wurden, hat Gloge - ehrenamtlich selbst ein "Gemeindebriefmacher" - vor allem die Parameter Titel, Umfang, Format, Produktion, Finanzen, Gestaltung, Vertrieb, Redaktionsstruktur und auch die Einbindung von Materialdiensten abgefragt. Dass die größte Schwierigkeit darin bestand, die erbetenen Daten auch tatsächlich zu erhalten, ist an der Zahl der ausgewerteten Gemeindebriefe zu ermessen: Gloge konnte zwar 191 Boten aufnehmen, doch vier Kirchenkreise gaben trotz mehrfacher Nachfrage gar keine Auskunft, aus sechs weiteren trafen nur vereinzelte Meldungen ein.
Fazit der Umfrage: Gemeindebriefe in der EKM erscheinen durchschnittlich sechs Mal pro Jahr im Format A5 in einer Stärke von zwölf Seiten und einer Auflage von bis zu 1 000 Exemplaren je Ausgabe. 60 Prozent der Boten werden komplett einfarbig, 30 Prozent auf Recyclingpapier gedruckt; die meisten Gemeindebriefe werden von einem Redaktionskreis aus drei bis vier Personen erstellt. Erfreulich, dass 72 Prozent der Boten an alle evangelischen Haushalte gehen und zwölf Prozent sogar an alle Haushalte im Gemeindebereich. Wer sich hier auf die - womöglich sogar kostenpflichtige - Lieferung an Abonnenten beschränkt, verkennt die Möglichkeiten des Mediums.
A propos Finanzierung: 83 Prozent der Boten werden aus Mitteln des Gemeindehaushaltes finanziert, nur wenige dagegen aus kommerzieller Werbung. Gerade hier gibt es aber viel Potenzial. Stark ausbaufähig ist sicherlich auch die Vernetzung der Gemeindebriefe mit den gemeindlichen Internetauftritten.
Martin Gloges Arbeit hat deutlich gemacht, was künftig die Bemühungen der Gemeindebriefredaktionen befördern könnte: ein landeskirchenweites Gemeindebriefportal mit Downloads und der Möglichkeit zum Austausch, etwa regelmäßige Schulungsangebote - und nicht zuletzt ein Gemeindebriefpreis.
Den Inhalt der Boten hat Gloge zwar abgefragt, doch wäre hier für die Zukunft auch eine Leserbefragung von hohem Interesse. Denn wenn der Gemeindebrief den Empfänger erreicht hat, muss er schließlich auch noch gelesen werden.
Johannes Killyen
Pressesprecher Landeskirche Anhalt
Gemeindebriefe in der EKM

Ergebnisse einer Befragung in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM)
von Martin Gloge:
Power-Point-Präsentation
(ppt-Datei; Dateigröße 2.210 KByte)
pdf-Datei
(Dateigröße 349 KByte)
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