Briefe zum Überleben | Dresden-Preis an spanische Corona-Ärztin verliehen

Dresden (epd). Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit: Tausende Briefe haben Spanierinnen und Spanier an Covid-19-Kranke auf den Intensivstationen geschrieben. 

Die Ärztin Cristina Marin Campos vom Hospital Universitario de La Princesa in Madrid hatte dazu in einem Video aufgerufen. Sie wollte eigenen Angaben zufolge die Einsamkeit der isolierten Patientinnen und Patienten lindern helfen. Für ihr Engagement in der Corona-Pandemie ist sie am Sonntag mit dem Dresdner Friedenspreis ausgezeichnet worden.

Die 33-Jährige werde stellvertretend für Ärzte, Ärztinnen und Pflegekräfte weltweit geehrt, die Herausragendes geleistet hätten, betonte der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), Ehrenmitglied der „Friends of Dresden“ Deutschland bei der Verleihung in Dresden. Der Preis, der von dem Verein ausgelobt wird, ist mit 10.000 Euro dotiert. Nach dem Aufruf von Campos gingen bereits am ersten Tag 35.000 Briefe ein, insgesamt sollten es mehr als 110.000 werden.

„Sie waren ein Band der Menschlichkeit“, sagte Baum in seiner Laudatio für Campos. Die spanische Ärztin habe „ein Beispiel dafür gegeben, wie die Menschenwürde verteidigt werden muss“. Baum kritisierte in seiner Rede Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, deren Teilnehmende ihre eigenen Rechte über das Leid und den Tod anderer Menschen stellten. Weltweit sind bisher vier Millionen Menschen an Corona gestorben.

„Ich wollte es etwas menschlicher machen“, sagte Campos: „Mit ermutigenden Botschaften“. Obwohl die Absender nicht wussten, an wen der Brief gerichtet ist, hätten sie wie an einen engsten Angehörigen geschrieben. Sie sehe sich nicht als Heldin, sagte die spanische Chirurgin in ihrer Dankesrede in Dresden, sie habe nur die Idee gehabt. Das Eigentliche hätten diejenigen getan, die die Briefe geschickt haben. Ihnen gelte die Anerkennung. Zugleich brachte sie ihr Mitgefühl für die Angehörigen der Covid-Opfer zum Ausdruck. Die Schauspielerin Hanna Schygulla las aus einigen der Briefe an die spanischen Patienten und Patientinnen.

Schätzungen zufolge sind inzwischen weltweit mehr als 100.000 Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegerinnen und Pfleger infolge ihrer Arbeit an Covid-19 gestorben. Bei der Veranstaltung in der Semperoper stellten Künstlerinnen und Künstler am Sonntag stellvertretend für sie Einzelschicksale vor. Etwa das eines 42-jährigen Krankenpflegers aus den Niederlanden, der dem Coronavirus erlag, und das einer 34-jährigen italienischen Krankenschwester, die mit Covid-19 infiziert war und sich das Leben nahm. Auch an einen an Corona verstorbenen Arzt aus dem sächsischen Zittau wurde erinnert.

Der Dresdner Friedenspreis wird seit 2010 jährlich vergeben. Er wird von der Klaus Tschira Stiftung gefördert. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow, der Herzog von Kent und der Whistleblower Daniel Ellsberg. 2020 erhielt die junge Syrerin Muzoon Almellehan die Auszeichnung.



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