Erfurter Bildungsforscher: Ungleiche Chancen beim Homeschooling

Erfurt (epd). Der Erfurter Bildungsforscher Marcel Helbig warnt vor zunehmend ungleichen Bildungschancen durch den Distanzunterricht.

Kinder aus sozial benachteiligten Familien seien besonders betroffen und könnten den technischen Anforderungen durch die Digitalisierung des Schulunterrichts nur unter erschwerten Bedingungen nachkommen, sagte Helbig am Montag im WDR. Die Voraussetzungen für das Homeschooling seien ungleich verteilt.

Doch grundsätzlich gebe es Schwierigkeiten für alle Familien mit berufstätigen Eltern im Homeoffice, mehreren schulpflichtigen Kindern im Distanzunterricht und nur einer begrenzten Anzahl technischer Geräte in einem Haushalt. Problematisch sei zudem, dass sich mit jeder verstreichenden Woche im Homeschooling beziehungsweise im Distanzunterricht der Abstand zwischen leistungsstärkeren und leistungsschwächeren Kindern vergrößere, betonte Helbig.

Und je länger die Phase des Distanzunterrichts dauere, umso stärker sinke bei den meisten Kindern irgendwann die Motivation, erklärte der Bildungsforscher weiter. Die wenigsten Lehrer schafften es, über den Abstand am Bildschirm oder über E-Mail-Rückmeldungen, die Kinder zu motivieren. "Motivation ist ein ganz zentraler Punkt", betonte der Hochschullehrer von der Universität Erfurt. Mit Blick auf die jeweilige Schulform dürfe nicht vergessen werden, dass ohnehin Lernmotivation unterschiedlich stark vorhanden sei.



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