Hoffnung auf Rückkehr zur Normalität | Thüringen rechnet zum Jahresende mit 125.000 Dosen eines ersten Corona-Impfstoffes

Erfurt (epd). Mit Impfungen gegen das Corona-Virus soll der Grundstein für eine neue Normalität im Alltag gelegt werden. 

In Thüringen sollen dafür bis Mitte Dezember zunächst 29 Impfzentren eingerichtet werden, kündigte Sozialministerin Heike Werner (Linke) am Dienstag in Erfurt an. Damit sichere man eine flächenendeckende und wohnortnahe Versorgung.

Zudem seien zehn mobile Teams für alle geplant, für die selbst kurze Wege bereits zu lang seien - die Bewohner von Pflegeheimen zum Beispiel oder andere Risikopatienten. Die Beschäftigten in den Krankenhäusern und Rehakliniken sollen direkt in ihren Einrichtungen immunisiert werden, fügte Werner hinzu.

Noch sei offen, welcher der im Zulassungsverfahren befindlichen Impfstoffe zum Einsatz komme. Damit verbunden sind nach den Angaben der Ministerin auch die Ausstattung der Impfzentren und - in einer späteren Phase - auch der Hausarztpraxen. So müsse eines der potenziellen Präparate bei etwa minus 80 Grad Celsius gelagert werden, was den Einsatz besonderer Tiefkühlschränke nötig mache. Für ein anderes Mittel stelle sich die Lagerung einfacher dar. Werner sprach von insgesamt sechs Impfstoffen, die im Moment von der Europäischen Arzneimittelagentur geprüft würden.

Insgesamt geht Thüringen davon aus, am Ende des Monats über 125.000 Impfdosen zu verfügen. Bei einer nötigen zweifachen Immunisierung würde das für gut 60.000 Menschen reichen. Laut Werner würden damit zunächst die medizinischen Fachkräfte, die Belegschaften der Pflegeinrichtungen sowie Risikopatienten versorgt.

60.000 klingt nach viel, ist es bei näherer Betrachtung aber nicht. Allein in Thüringen warten demnach 33.000 Beschäftigte in den Krankenhäusern und Rehakliniken auf eine Impfung. Hinzu kämen 21.000 Mitarbeitende in den Pflegeeinrichtungen. Damit wäre das Kontingent bereits fast erschöpft - auch ohne die 30.000 Bewohner eines Pflegeheimes.

Zum Erreichen der sogenannten Herdenimmunität - sie müsste 60 Prozent der Thüringer einschließen - gingen die Experten von 2,2 Millionen benötigten Impfdosen im Land aus. Das Gros der Impfungen soll dann aber über die Hausarzt-Praxen abgewickelt werden, sagte die Ministerin. Sie verwies auf eine Umfrage, nach der sich in Thüringen über 80 Prozent der Menschen "früher oder später" gegen das Virus impfen lassen wollten.

Die Organisation der Impfkampagne liegt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringens (KVT). Dort rechnet man mit einem Potenzial von 29.000 Impfungen pro Woche. Dafür sei ein Zweischichtsystem an fünf Tagen die Woche in den Impfzentren Voraussetzung, sagte KVT-Hauptgeschäftsführer Sven Auerswald. Einem ersten Aufruf zur Mitarbeit hätten bereits 500 Thüringer Ärzte positiv beschieden.

Wie schnell die Impfzentren auf die maximale Zahl an Impfungen kommen können, sei aktuell noch nicht klar. Eine Herausforderung werde sein, wie zügig die zu impfenden Männer und Frauen abgefertigt werden können. Im Moment arbeite man mit Hochdruck an einem Terminvergabe-System inklusive Webseite und einer Service-Nummer, erklärte Auerswald.

Eine Unwägbarkeit wollte die Ministerin dann doch ausräumen. In den Zentren käme nur ein Impfstoff zum Einsatz, der wirksam und sicher sei, versicherte sie.



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